Ein Schritt zurück in die Anfangszeit der Meerwasseraquaristik: Solche „sterilen“ Fischbecken, hier mit dem Florida-Pinzettfisch (Prognathodes aya), waren auf Ozongeräte angewiesen, um die Konzentration des giftigen Nitrits zu kontrollieren. |Text und Foto: Dieter Brockmann

Ozonisatoren gehörten in den Anfängen der Meerwasseraquaristik zur technischen Grundausstattung der damals gängigen Fischbecken. Mit dem Aufkommen der biologisch betriebenen Riffbecken, in denen die Aufgaben des Ozons im Prinzip auf entsprechende Bakterienstämme im Lebendgestein oder Bakterienpräparate übertragen wurden, verschwanden die Ozonisatoren jedoch mehr und mehr aus dem Technikrepertoire. Heute stellt sich daher zwangsläufig die Frage nach dem sinnvollen Einsatz von Ozongeräten.

Die „alten Hasen“ unter uns Meerwasseraquarianer kennen das Phänomen des Gelbstichs alternden Meerwassers. Ursprung dieses Gelbstiches, verursacht durch sogenannte Gelbstoffe, sind z. B. Phenole, die von Algen in das Wasser abgegeben werden. Hier wandeln sie sich in Polyphenole um, die mit anderen Substanzen (u. a. Kohlenhydrate und stickstoffhaltige Verbindungen) von Algen oder Tieren zu Gelbstoffen reagieren (Spotte 1979). Diese Gelbstoffe sind biologisch kaum abbaubar, lassen sich über den Abschäumer nur begrenzt entfernen und reichern sich daher schnell im Beckenwasser an. Auch regelmäßige Teilwasserwechsel verhindern die Bildung dieser Stoffe nicht und reduzieren die Gelbfärbung des Wassers kaum. Abhilfe schaffte man nur durch umfassende Teilwasserwechsel, intensive Kohlefilterung mit allen negativen Seiteneffekten oder durch eine Ozonisierung des Wassers über einen entsprechenden Reaktor oder den nachgeschalteten Abschäumer.

Bedeutung von Ozon in der Aquaristik
Ozon unterstützt als sehr starkes Oxidationsmittel im Prinzip drei Prozesse im Meerwasseraquarium: 1. Die Zerstörung von Gelbstoffen, 2. den Nitrifikationsprozess und 3. eine Sauerstoffanreicherung und Erhöhung des Redoxpotenzials des Aquarienwassers.

Abbau von Gelbstoffen
Wie bereits in der Einleitung geschildert, sind die sich im Aquarienwasser anreichernden Gelbstoffe nur sehr schwer biologisch abbaubar. Dies führt, falls auf eine effiziente Kohlefilterung verzichtet wird, zu einer Verschlechterung der zur Verfügung stehenden Lichtqualität und zu einer Reduzierung der Lichtmenge. Aber nicht nur die Gelbstoffe, sondern auch zahlreiche andere Verbindungen, die Algen absondern, sorgen für eine Einfärbung des Aquarienwassers. Neben den negativen Effekten für die Biologie der zooxanthellaten Aquarienbewohner verschlechtert sich auch der ästhetische Gesamteindruck des Aquariums für den Betrachter. Abhilfe ist also zwingend notwendig, und eine effiziente Methode ist die Zerstörung dieser farbgebenden Substanzen durch Ozon.

Was passiert nun, wenn man die hochmolekularen Substanzen Ozon aussetzt? Als starkes Oxidationsmittel spaltet Ozon Gelbstoffe sowie andere Verbindungen, sodass diese farblos werden und folgerichtig das Wasser kristallklar erscheint. Aus den hochmolekularen Verbindungen werden niedermolekulare Substanzen, die zudem biologisch weiter abbaubar sind und u. a. den Bakterien als Kohlenstoffquelle zur Verfügung stehen. Ob sie gleichzeitig auch besser abschäumbar sind, wird nach wie vor kontrovers diskutiert, denn durch den Crackprozess entstehen vielfach polare Verbindungen, die von der Theorie her nicht über einen Abschäumer aus dem Wasserkreislauf entfernt werden können (Holmes-Farley 2006a). (...)

Den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 109