1-1_montiporaSteinkorallenaquarien werden meist durch Geweihkorallen der Gattung Acropora dominiert, die zahlreiche Farben und Formen besitzen. Andere Gattungen spielen eine Außenseiterrolle, obgleich viele davon interessante Aquarienpfleglinge enthalten. Zu ihnen zählt die Gattung Montipora.



Die kleinpolypige Steinkorallengattung Montipora wird zusammen mit den Gattungen Acropora, Anacropora und Astreopora in die Familie Acroporidae gestellt. Nach VERON (2000) umfasst sie 74 Arten und ist damit eine der artenreichsten Steinkorallengattungen. Leider sind die meisten dieser Arten schwer zu bestimmen, nicht nur für den Laien. Auch dem Korallentaxonomen gelingt dies nur durch die genaue mikroskopische Analyse des Kalkskeletts. Um ihre Identifizierung zu erleichtern, werden die Montipora-Arten daher in zwölf Gruppen eingeteilt. Hauptkriterien hierfür sind Charakteristika des Korallenskeletts, z. B. die Wuchsform des Korallenstocks und die Struktur des Coenosteums. Dabei handelt es sich um eine poröse Kalkstruktur, die von den Korallen zwischen den Polypen ausgeschieden wird und die Hohlräume zwischen den einzelnen Korallenkelchen (Koralliten) ausfüllt. Dieses poröse Kalk-Maschenwerk ist artspezifisch und somit ein ausgezeichnetes mikroskopisches Unterscheidungsmerkmal, das uns Meerwasseraquarianern aber kaum zur Verfügung steht. Makroskopisch unterscheidet man zwischen plattenförmig, säulenförmig, submassiv, massiv, verästelt und krustenförmig wachsenden Montipora-Arten. Allerdings gibt es auch Übergangsformen zwischen den einzelnen Wuchsformen, was Gruppenzuordnung und Artbestimmung weiter erschwert.

Montipora-Steinkorallen im Riff
Die Gattung Montipora lebt ausschließlich im Indopazifik, vom Roten Meer im Westen bis etwa zu den Osterinseln im Osten. Alle Arten sind zooxanthellat, beherbergen in ihrem Gewebe also winzige symbiotische Algen (Zooxanthellen, Dinoflagellaten der Gattung Gymnodinium). Mit Hilfe des Sonnenlichtes produzieren diese Zooxanthellen durch Fotosynthese organische Substanzen, die sie an ihr Wirtstier weiterleiten. Die Anzahl der Zooxanthellen in den Korallen ist riesig: 900.000 bis 2,3 Millionen leben auf einem Quadratzentimeter Korallenoberfläche (SOROKIN 1995), und die Symbiose zwischen Zooxanthelle und Korallenpolyp ist so effizient, dass je nach Art, Tiefenverbreitung und physikalischen Wasserparametern (z. B. Klarheit des Wassers) mehr als 90 % des täglichen Energiebedarfs der Koralle durch die Fotosyntheseprodukte gedeckt werden können. Zooxanthellate Korallen sind damit bestens an nährstoffarme Gewässer angepasst, doch diese enge Beziehung hat noch einen weiteren Vorteil für die Koralle: Die fotosynthetische Aktivität der Algen, die ständig Karbonate verbraucht, steigert die Kalkproduktion der Koralle enorm – sehr hilfreich in einem Biotop, in dem Siedlungsraum knapp ist und wo um jeden Quadratzentimeter Raum gekämpft wird. Zooxanthellate Korallen wachsen in Vergleich zu Korallen ohne Symbiosealgen mindestens zehn Mal schneller (LOYA & KLEIN 1998). Wohlgemerkt, dies ist eine Untergrenze; schnellwüchsige Steinkorallen – und hierzu zählen viele Montipora-Arten – übertreffen dies um ein Vielfaches. Dieses enorme Wachstumspotenzial führt dazu, dass Montipora-Arten weite Teile mancher Riffe dominieren.

Folglich bewohnen nahezu alle Montipora-Arten die oberen Flachwasserbereiche der Korallenriffe oder Lagunen, ,wo die Sonneneinstrahlung extrem hoch ist und somit für die Fotosynthese der Symbiosealgen optimale Bedingungen herrschen. Meist, insbesondere in gesunden, küstenfernen Riffen, ist das Wasser hier sehr klar. Dennoch kann man Montipora-Arten durchaus auch in Biotopen finden, die zumindest zu bestimmten Zeiten sehr stark eingetrübt sind. Beispiele hierfür sind die Coral Coast von Viti Levu, Fidschi, oder auch die Lagune von Da Nang, Vietnam. In Da Nang traf ich das Wasser so trüb an, dass die Sichtweite nur wenige Meter betrug. Ähnliche Wasserverhältnisse konnte ich in Lebensräumen von Korallenstöcken aus der nahe verwandten Gattung Acropora in Madang, Papua-Neuguinea, beobachten. Im Vergleich zu „Klarwasserexemplaren“ zeigten die Montipora-Korallen aus trüben Gewässern aber keine auffallende Kümmerwuchsform. Diese Beobachtungen lassen durchaus den Rückschluss zu, dass sich zumindest einige der zooxanthellaten kleinpolypigen Steinkorallen an geringe Beleuchtungsstärken anpassen können, wenn ihnen andere Nahrungsquellen wie Plankton oder gelöste organische Verbindungen ausreichend zur Verfügung stehen. Allerdings soll dieser Hinweis nicht dazu verleiten, Korallenriffaquarien schwach zu beleuchten; zooxanthellate Steinkorallen können am einfachsten und erfolgreichsten in sehr nährstoffarmem Wasser unter sehr hohen Beleuchtungsstärken gepflegt werden, zumal man kaum in der Lage sein wird, den Korallen ausreichend Plankton zur Verfügung zu stellen, um die Nahrungsbedürfnisse über diesen Weg ausreichend zu decken.

Pflege von Montipora-Arten im Aquarium
Die kurze Beschreibung der engen Symbiose zwischen Montipora-Polyp und Zooxanthelle verdeutlicht, dass der Beleuchtung bei der Pflege dieser hübschen Steinkorallen eine herausragende Rolle zukommt. Als Standard in der Riffaquaristik haben sich heute HQI-Brenner und T5-Leuchtstoffröhren mit einer Lichtfarbe von 10.000 Kelvin durchgesetzt (siehe auch BROCKMANN 2008). Ich persönlich bevorzuge das „lebendigere“ HQI-Licht, befreundete Aquarianer haben aber mit der T5-Beleuchtung ähnlich gute Erfahrungen gesammelt. Als Richtwert kann man von einem HQI-Brenner mit 250 W auf einer Fläche von 80 x 80 cm und einer Wassersäule von 60 cm Höhe ausgehen. Ist das Aquarium flacher, kann man zu 150-W-Brennern greifen, ist der Wasserstand höher, sollte man die Wattzahl der HQI-Brenner entsprechend erhöhen. Im Falle der T5-Röhren sollte ein Aquarium mit den Abmessungen 120 x 50 x 50 cm (L x B x H) zur Pflege von Montipora-Korallen mit mindestens vier Röhren zu je 54 W beleuchtet werden.

Nährstoffe
Ebenso wichtig wie die Beleuchtung ist die Wasserqualität. Hier ist insbesondere die Belastung mit den anorganischen Nährstoffen Nitrat und Phosphat anzusprechen, die bei überhöhten Konzentrationen für Montipora-Steinkorallen zu einem Problem werden können. Einerseits fördern sie als Nährstoffe das Algenwachstum. Algen stehen mit den Steinkorallen im stetigem Konkurrenzkampf um Siedlungssubstrat, und insbesondere die in der Meerwasseraquaristik so gefürchteten Fadenalgen können aufgrund ihres immensen Wachstumspotenzials die Montipora-Korallen leicht verdrängen. Außerdem scheint Phosphat ein direkter Kalzifizierungshemmer zu sein und hat schließlich noch weitere Negativwirkungen auf die Physiologie der Korallen, beeinträchtigt beispielsweise ihre Fruchtbarkeit (als Zusammenfassung siehe BROCKMANN 2008). Die Konzentration von Nitrat sollte 10–15 mg/l nicht überschreiten, die von Phosphat unter 0,1 mg/l liegen. Erreichen können wir dies durch eine effektive Abschäumung, und sollte die Phosphatkonzentration dennoch einmal über den Grenzwert von 0,1 mg/l ansteigen, kann man Phosphatadsorber einsetzen.

Kalkversorgung
Zur Wasserqualität gehört auch die ausreichende Versorgung mit Kalziumionen. Montipora-Korallen produzieren ein mehr oder weniger dichtes, kompaktes Skelett aus Kalziumkarbonat. Da manche Arten sehr schnellwüchsig sind, benötigen sie hierfür große Mengen an Kalziumionen und Karbonaten. Während Karbonate wenigstens zu einem kleinen Teil über das Kohlendioxid der Luft ins Aquarienwasser gelangen, gibt es keine nennenswerte Produktion von Kalziumionen innerhalb des Aquariensystems. Teilwasserwechsel reichen in der Regel nicht aus, um die Versorgung sicherzustellen, und selbst ein Sandbettfilter kann keine ausreichenden Mengen Kalzium lösen, um stark wachsende Steinkorallen zu versorgen. Daher müssen für gutes Montipora-Wachstum Kalziumionen regelmäßig nachdosiert werden, etwa mit einem Kalkreaktor oder der Kalziumchlorid/Natriumhydrogenkarbonat-Methode. Beide Verfahren sind gleichermaßen geeignet (Beschreibung und Anwendung siehe BROCKMANN 2008).

Strömung
Auch die Wasserbewegung ist wichtig. Nahezu alle kleinpolypigen Steinkorallen bevorzugen Lebensräume mit starker Strömung, und die Montipora-Arten machen da keine Ausnahme. Jedoch sind die Strömungsbedürfnisse der einzelnen Arten und Wuchsformen unterschiedlich. Oft muss die für ein bestimmtes Korallenexemplar passende Wasserbewegung einfach durch Versuch und Irrtum ermittelt werden. Massiv wachsende Arten lieben sehr starke Strömung, ebenso wie viele der dickeren, verästelt, säulenförmig oder krustenförmig wachsenden Arten. Montipora-Arten, die dünnere Äste ausbilden (z. B. M. samarensis), mögen dagegen keine derart starke Strömung. Schwieriger sind optimale Strömungsbedingungen für die dünnen, plattenförmigen Arten herzustellen, die zudem häufig mäanderförmig ineinander verschachtelt wachsen. Sie lieben keine allzu turbulente Wasserbewegung, aber dennoch muss diese so kräftig sein, dass sich auf den Horizontalflächen keine Sedimente absetzen können, weil das darunter liegende Polypengewebe sonst schnell absterben kann, und solche Zonen sind nicht selten Ansatzpunkt für Algen oder Krankheitserreger.

Farbpigmentierung
Ein letzter Punkt, der bei einigen Montipora-Arten Schwierigkeiten bereitet, ist die dauerhafte Farberhaltung. Korallen der Gattung Montipora entwickeln zahlreiche unterschiedliche Pigmentierungen: braun, grün, rot, beige oder gelblich mit blauen oder rötlichen Polypen. Braun ist hierbei mit Abstand die dominante Farbe. Alle braunen Arten sind in der Regel sehr pflegeleicht. Das Gleiche gilt für die meisten roten und grünen Spezies, bei denen die Farberhaltung ebenfalls kaum problematisch ist. Sehr viel schwieriger sind dagegen die beige oder gelblichen Arten, die blaue oder rötliche Polypen besitzen. Bei ihnen beobachtet man häufig, dass auch Exemplare, die bereits längere Zeit im Aquarium etabliert sind, plötzlich verblassen und verenden. Die Gründe hierfür sind oft unklar, doch spielt die Nährstoffkonzentration sicherlich eine wichtige Rolle. Insbesondere der Phosphatgehalt des Wassers darf bei diesen Arten den oben erwähnten Grenzwert nicht überschreiten. Bisweilen ist allerdings ein solches Verblassen der Färbung auch in Aquarien zu beobachten, die keine suboptimalen Wasserbedingungen erkennen lassen. Interessant ist, dass verblasste Montipora-Exemplare ihre Farben meist gut regenerieren können, wenn sie in ein anderes Aquarium gesetzt werden. Ein gutes Beispiel hierfür ist ein Exemplar, dessen Farbentwicklung ich selbst beobachten konnte: Ursprünglich als Ableger aus meinem Riffaquarium kommend, war es im Aquarium eines befreundeten Aquarianers völlig ausgebleicht und kam als schneeweiße Koralle zurück zu mir, regenerierte sich jedoch in meinem Becken im Verlauf mehrerer Monate. Eine überhöhte Nitrat- oder Phosphat-Konzentration und ungünstige Lichtbedingungen möchte ich für diesen Fall ausschließen, so dass ich die Ursache nur in der (zu hohen oder zu niedrigen) Konzentration bestimmter Spurenelemente vermuten kann. Hier bleibt für experimentierfreudige Aquarianer also noch viel zu tun.

Der geschlechtliche Vermehrungszyklus von Montipora-Steinkorallen ist sehr komplex. Als Hermaphroditen geben sie Eizellen und Spermien zur externen Befruchtung in das Umgebungswasser ab (als Zusammenfassung siehe HARRISON & WALLACE 1990). Nach der Befruchtung entwickeln sich planktonische Planula-Larven, die mit der Strömung verdriften, bis sie sich schließlich auf Substrat niederlassen und hier neue Korallenstöcke aufbauen. Weiterhin lassen Berichte darauf schließen, dass zumindest M. digitata zu den Brütern gehört, bei denen sich Planula-Larven innerhalb der Korallenpolypen entwickeln. Obgleich man durch die enorme Anzahl der Eizellen, die ein einzelner Korallenstock produziert, ein riesiges Nachzuchtpotenzial zur Verfügung hätte, ist die geschlechtliche Vermehrung dieser Gattung im Aquarium sehr selten und meines Wissens noch nicht bis zum Erzeugen neuer Korallenstöcke gelungen. Eine wesentliche Schwierigkeit besteht darin, im Aquarium adulte Korallenstöcke mit ausgereiften Keimzellen heranzuziehen.

Darum werden Montipora-Arten in der Aquaristik durch Fragmentierung asexuell vermehrt, denn aus Teilstücken wachsen unter guten Bedingungen rasch neue Stöcke heran. Diese Vermehrungsweise hat sich in der Korallenriffaquaristik inzwischen weltweit durchgesetzt. Es gibt viele land- und meergestützte Farmen, die große Mengen an Steinkorallenablegern auf diese Weise produzieren und vermarkten. Das Fragmentieren von Montipora-Arten ist sehr einfach. Ausgangspunkt ist ein wenigstens 4–5 cm messendes Stück, das vom Mutterstock abgebrochen wird. Den Mutterstock beeinträchtigt das Abtrennen des Fragmentes nicht; er wird die Bruchstelle sehr schnell mit lebendem Gewebe überziehen, und Tage bis Wochen später ist davon nichts mehr zu erkennen.

Vor dem Ankleben an neues Substrat muss sichergestellt sein, dass die Klebestellen frei von Algenaufwuchs sind und eine raue Struktur besitzen. Geeignete Unterwasserkleber sind mittlerweile von zahlreichen Herstellern im Fachhandel erhältlich. Besonders einfach ist die Prozedur, wenn wir das Fragment nicht direkt an die Steindekoration des Aquariums kleben, sondern auf ein separates Substratstück, das auch aus dem Wasser herausgenommen werden kann. Einige Minuten an atmosphärischer Luft schaden dem Korallenfragment in der Regel nicht, sofern es nicht trocknet oder direkt unter den heißen HQI-Strahler gehalten wird. Um das Austrocknen zu vermeiden, sollte man das Fragment ab und zu mit etwas Meerwasser befeuchten.

Mit Hilfe des Klebers, der ein wenig vom lebenden Korallengewebe überdecken sollte, damit dieses schneller auf dem Substrat festwächst, wird das Fragment auf dem Stein fixiert. Hat der Kleber abgebunden, stellt man das Substrat mit dem Fragment zurück in das Aquarium, jedoch zuerst an eine strömungsschwache Stelle. Ist die Strömung zu stark, wird der Ableger samt Kleber wieder vom Substrat abgerissen. An dieser Stelle im Aquarium lässt man den Kleber nun vollständig aushärten, was einige Stunden dauern kann. Spätestens am nächsten Tag verbringt man den Ablegerstein dann an die endgültige Position in der Dekoration.

Alles in allem sind Montipora-Arten also dankbare und leicht zu pflegende Steinkorallen, die ein enormes Wachstum entwickeln und im Aquarium zu herrlichen Stöcken heranwachsen können. Es ist daher eigentlich unverständlich, warum sie in vielen Riffbecken stiefmütterlich behandelt werden, obgleich sie in den Riffen zu den dominanten Arten zählen. Vielleicht kann dieser Beitrag dabei helfen, Aquarianer auf die Pflege von Montipora-Arten neugierig zu machen.

Dr. Dieter Brockmann

Artikel KORALLE 56: 74–79