Ein Putzer-Lippfisch (Labroides dimidiatus)
inspiziert im Aquarium von Heinz Hartwig
einen Goldring-Borstenzahndoktorfisch
(Ctenochaetus strigosus)

Text und Fotos: Daniel Knop

Die Putzsymbiose ist eines der plakativsten Beispiele für symbiotische Partnerschaften im Tierreich. Bei uns Menschen weckt sie Interesse und Sympathie, für Korallenfische ist sie lebenswichtig.

Schon in den 1930er-Jahren wurde die Putzsymbiose beobachtet und dokumentiert, damals allerdings nicht an dem heute so populären Putzerlippfisch Labroides dimidiatus, sondern an der karibischen Neon-Putzgrundel Elacatinus oceanops. Nüchtern betrachtet hat der Vorgang eigentlich nicht viel Aufregendes – ein Tier befreit den Körper eines anderen von lästigen oder störenden Partikeln. Warum weckt das beim Menschen so viel Interesse?

Einer der Gründe könnte darin liegen, dass der Geputzte in seinem normalen Verhalten quasi pausiert, während der Lippfisch ihn bedient. Er erstarrt, die ganze Szenerie wirkt auf uns unwirklich, als hätte jemand die Zeit angehalten.

Sogar für Räuber gilt das, denn in der Regel haben Putzerfische Sonderrechte und werden nicht gefressen. Es berührt uns, eine Muräne oder einen Zackenbarsch mit aufgesperrtem Maul zu sehen, in dem ein Putzerfisch zwischen den gefährlichen Zähnen emsig nach Nahrungsresten oder abgestorbenen Hautpartikeln und Parasiten sucht oder kleine Wunden reinigt. Mit Leichtigkeit könnte der Räuber den Putzer verschlingen – doch er tut es nicht! Ein unsichtbares Band existiert zwischen den beiden Tieren, das stärker ist, als die normalen Verhaltensabläufe – das fasziniert uns.

Der Räuber toleriert den Putzerfisch in Maul und geöffneten Kiemenspalten, lässt selbst schmerzhaftes Zupfen und Reißen über sich ergehen. Die dauerhafte Hautgesundheit ist wichtiger als der kleine Happen, und solche Körperpflege ist einem Fisch auf andere Weise kaum möglich. Der Nutzen dieser Dienstleistung ist eben größer als der Nährwert des Putzers.

Den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 110