Gammariden gehören zu den Kleinkrebsen,
die sich im Refugium stark verhmehren

Daniel Knop

Refugien sind Bestandteil natürlicher Korallenriffe: Viele Tierarten sind darauf angewiesen, sich an einen sicheren Ort zurückziehen zu können. Auch im Korallenriffaquarium sollten solche Rückzugsorte zu finden sein, und für manche Arten ist dafür ein spezielles Refugiumbecken nötig.

Dass Korallenriffe neben tropischen Regenwäldern die artenreichsten Ökosysteme unseres Planeten sind, ist inzwischen eine Binsenweisheit. Sie leben tatsächlich von der Artenvielfalt und der Interaktion zwischen unterschiedlichen Lebensformen, die sich gegenseitig Nutzen bringen. Die Existenzen der einzelnen Arten sind so miteinander verwoben, dass sie nicht nur miteinander leben, sondern auch voneinander. Letzteres durchaus auch im direktesten Wortsinn: Fressen und gefressen werden.
Genau daraus leitet sich auch die Notwendigkeit ab, einen Rückzugsraum zu haben, in dem man davor sicher ist, zur Nahrung des anderen zu werden. Dazu gehören auch Refugien unterschiedlichster Form.

Refugien im Korallenriff
Die Mangrovenzone ist der Klassiker, wenn es um den Refugium-Aspekt im Riff geht. Mangrovenpflanzen benötigen überirdische Wurzelorgane als Belüftungssystem, weil ihre unterirdischen Wurzeln im dichten Schlick der Küstenstreifen keinen Sauerstoff aufnehmen können. Unzählige Larven und andere Jugendstadien zahlreicher Meeresfische sammeln sich hier im engen Geflecht der Stelzwurzeln, durch das größeren Räubern der Zutritt verwehrt ist. Im Korallenriff oder im freien Ozean wäre ihre Überlebensdauer kurz, denn überall wären sie von hungrigen Mäulern umgeben. Korallenfisch-Spezies, deren Nachwuchs unter so dramatischem Räuberdruck groß werden soll, müssen eine ungleich größere Zahl an Nachkommen produzieren.
Dasselbe gilt aber prinzipiell auch für Höhlen oder Gesteinsspalten, in die sich Fahnenbarsche, Zwergbarsche oder Kardinalbarsche ebenso zurückziehen wie z. B. Muränen. Auch Spalten zwischen den blattförmigen Skeletten laminar wachsender Steinkorallen (Echinopora, Echinophyllia, Montipora u. v. a.) bieten Korallenfischen, Garnelen und vielen anderen Tieren Rückzugsgebiete.
Verästelt wachsende Steinkorallen wie die meisten Acropora-Arten stellen für Fische Refugien dar, indem diese sich zwischen die schützenden Äste zurückziehen und dort Schutz vor Räubern finden. Pelzgroppen (Caracanthus spp.), die sich auf ein Leben zwischen den Ästen von Acropora-Steinkorallen spezialisiert haben, sind dafür ein gutes Beispiel, wenngleich sie nur sehr selten im Aquarium anzutreffen sind. Anders bei Gobiodon-Arten, Grundeln, die bestimmte Steinkorallen als Refugium wählen und sich hier quasi permanent aufhalten, auch im Riffaquarium.
Wohnhöhlen im Bodensediment, z. B. von Alpheus-Knallkrebsen und Wächtergrundeln (z. B. Amblyeleotris randalli) oder von Brunnenbauern (z. B. Opistognathus aurifrons), sind ebenfalls ein Beispiel für solche Rückzugsorte. Für unterschiedlichste Kleinwirbellose, Mollusken, Krebstiere und Ringelwürmer stellt das Bodensediment ein Refugium dar.
Im Mittelmeer finden wir in dem Eingeweidefisch (Carapus acus) ein weiteres und schon recht kurioses Beispiel: Er zieht sich in die Wasserlungen der Königsseegurke (Stichopus regalis) zurück,  (...)

Den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 121