Viele Aquarianer kennen sie, die Artemiazysten, und haben im Laufe ihres Aquarianerlebens selbst erbrütete Nauplien verfüttert. Lästig dabei sind jedoch die Schalen, denn sie sind nicht leicht von den geschlüpften Nauplien zu trennen, und so gelangen oft einige mit den Nauplien in das Aquarium.

Artemianauplien stellen auch heute noch den am leichtesten verfügbaren Ersatz für lebendes Zooplankton dar. Durch ihre Körperform und die fortwährenden Bewegungen üben die winzigen Nauplienstadien dieser Schwimmkrebse einen optimalen Beutereiz aus, so dass sich mit ihnen oft auch Problemfische ans Futter bringen lassen. Ein Mangel an Nährstoffen lässt sich durch das Anreichern leicht beseitigen, und so stellen Artemianauplien für viele Tiere im Riffaquarium eine ideale Nahrung dar. Manche Korallenfische sind ohne sie als Nahrungsgrundlage sogar kaum im Aquarium haltbar, z. B. die winzigen Florida-Zwergseepferdchen (Hippocampus zosterae).


Die Nauplien zu erbrüten ist an sich eine einfache Sache. Vor allem, wenn man dies fortwährend tut und täglich einen neuen Ansatz herstellt, ist es mit wenigen Handgriffen erledigt. Leider aber ist die Schlupfrate der Zysten sehr unterschiedlich – es handelt sich schließlich um ein natürliches Produkt mit großer Qualitäts-Bandbreite. Auch fällt es bisweilen sehr schwer, die Nauplien von den Schalen und ungeschlüpften Eiern zu trennen. Dies führt dann dazu, dass mit den Nauplien auch scharfkantige Schalen ins Aquarium gelangen. Das mag an sich harmlos klingen, weil diese Schalen winzig klein sind, doch im Mikroskopfoto ist deutlich zu sehen, dass an derjenigen Stelle, an der die Hülle aufgeplatzt ist, zwei messerscharfe Kanten entstehen, die einem empfindlichen Jungfischdarm enorm zusetzen können. Durch Entzündungen kann sich hier sogar ein Darmverschluss entwickeln.

Besonders gefährlich ist hier ein Übergangsstadium, bei dem der Nauplius noch an der Zystenschale hängt. Mehrere Stunden treibt er so unterhalb der bereits aufgesprungenen Schale, bevor er sich schließlich ablöst und freischwimmt. Wird er in diesem Stadium von einem Jungfisch gefressen, ist der Ärger vorprogrammiert, weil die Schale unweigerlich in den Darm gelangt. Hinzu kommt die Gefahr, sich mit den Schalen Bakterien und Viren ins Aquarium zu holen, denn viele Keime nutzen diese als Vehikel auf dem Weg zu einem neuen Wirtsorganismus. Im Klartext: Die Schalen können Krankheitsüberträger sein, die unseren Pfleglingen enorm schaden. Darum begann ich schon vor einiger Zeit, die Artemiazysten vor dem Erbrüten der Nauplien zu entkapseln. Im Laufe der Zeit konnte ich damit eigene Erfahrungen sammeln, die ich hier den KORALLE-Lesern weitergeben möchte.

Zum Entkapseln der Artemiazysten und anschließenden Erbrüten der Nauplien sind folgende Dinge nötig:

- Artemiasieb mit passendem Kunststoffbehälter
- Artemiazysten (ich verwende INVE AF 430)
- Messbecher
- Haushaltsessig
- Chlorbleiche (z. B. Danklorix, blaue Flasche)
- Glasflasche 0,5 l (z. B. Babysaftflaschen, da sie einen breiten Flaschenhals haben und sich leicht reinigen lassen, auch in der Spülmaschine)
- Nylon-Filterwatte
- Luftröhrchen
- Luftschlauch
- Membranpumpe
- Behälter für Wasserbad (ich verwende einen Kunststoffblumenkasten)
- Regelheizer
- Pipette
- Kurzzeitmesser

Artemien entkapseln: So geht es

Schritt 1: Quellen
Füllen Sie eine Brutflasche mit 200 ml Leitungswasser und geben Sie Artemiazysten hinzu. Das Belüftungsröhrchen mit dem Luftschlauch wird in die Brutflasche gesteckt und der Flaschenhals mit Filterwatte zugestopft (das reduziert den Geräuschpegel). Nun wird mit einer Membranpumpe für 60 Minuten kräftig belüftet.

Schritt 2: Entkapseln
Fügen Sie 50 ml der Chlorbleiche hinzu und belüften Sie für weitere 25 Minuten. Die Farbe der Zysten wechselt in dieser Zeit von Braun nach Weiß und schließlich zu Orange. Anschließend gießen Sie den Inhalt der Flasche in ein Artemiasieb, spülen die leere Brutflasche mehrmals mit Leitungswasser und gießen dieses durch das Artmiasieb. Dadurch werden nicht nur die Artemien gereinigt, sondern auch restliche aus der Flasche gespült.

Schritt 3: Chlorbleiche neutralisieren
Schwenken Sie die Brutflasche mit Essig aus und spülen sie diese anschließend mit Leitungswasser aus. Auch den Artemien anhaftende Reste der Chlorbleiche werden nun mit Essig neutralisiert: Das Artemiasieb mit entkapselten Zysten wird in die Kunststoffschale gestellt, um Essig über die Zysten zu gießen, so dass die Zysten für 1–2 Minuten in der Flüssigkeit stehen.

Schritt 4: Spülen
Nun spülen Sie die Nauplien wieder mit Leitungswasser, um Essigreste zu entfernen. Mit einer Pipette, die mit Meerwasser gefüllt ist, können Sie nun die Artemien aus dem Sieb in die
gereinigte Brutflasche spülen.

Schritt 5: Nauplien erbrüten
Flasche mit 400 ml Meerwasser auffüllen, Luftröhrchen mit Luftschlauch wieder anschließen und in das Wärmebad (z. B. Kunststoffblumenkasten mit Wasser und Regelheizer) stellen, mit einer Temperatur von 28 °C. Je nach Zystenqualität beginnt der Schlupf nach rund 12 Stunden.

Um den Keimgehalt im Brutflaschenwasser gering zu halten, füge ich eine kleine Menge eines Mittels hinzu, das aus der Teichwirtschaft stammt und gegen Bakterien, Algen, Pilze und Viren wirkt: Desamar B100. Die Stammlösung stelle ich her, indem ich in 1.000 ml destilliertes Wasser 30 ml Desamar gebe. Von dieser Stammlösung verwende ich pro 100 ml Schlupfwasser 0,1 ml, für meine 400-ml-Brutflaschen also 0,4 ml. Dadurch bleibt das Schlupfwasser sehr lange klar und die Artemianauplien sind später sehr arm an Keimen.

Vorteile der Entkapselung
Bakterien und Viren, die außen an der Zystenschale haften und sich vermutlich auch zwischen Eihaut und Schale befinden, werden durch die Entkapselung eliminiert. Das ist vor allem für Seepferdchenzüchter und Pfleger von Florida-Zwergseepferdchen (Hippocampus zosterae) wichtig, um die Gefahr von Vibrioneninfektionen zu verringern. Das Einschleppen von Hydroiden, die den Schalen anhaften können, wird ebenfalls vermieden. Die Schlupfzeiten verkürzen sich, auch die Schlupfrate verbessert sich, vor allem bei weniger hochwertigen Zysten. Auch steigt der Energiegehalt um nahezu 20 %, wie Alisa WAGNER ABBOTT (2003) schreibt.

Ganz schön viel Arbeit? Keine Angst, der eigentliche Aufwand für das Entkapseln ist gering, und mit ein bisschen Übung ist dies in wenigen Minuten erledigt. Im Kühlschrank lassen sich die entschalten Zysten in Salzlake sogar einige Tage lang aufbewahren. Und wenn´s mal eilig ist: Die Entkapselung funktioniert auch ohne vorheriges Quellen in Leitungswasser, doch ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Schlupfrate deutlich besser ist, wenn die Zysten vorher gewässert wurden.

Ganz herzlich bedanken möchte ich mich bei Angelika Wolfrum (nannoriffundmeer.de), Sylvio Heydenreich (Meerwassernachzuchten.de) und den Mitgliedern des Seepferdchen.net, die mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben.

Karin Helwig

Literatur:
WAGNER ABBOTT , A. (2003): The Complete Guide to Dwarf Seahorses in the Aquarium. – T.F.H. Publications,  Neptune City, US