Der Autor vor einem Becken mit seinen
Erstnachzuchten, darunter Labroides
phthirophagus
und Chaetodon miliaris

Text und Fotos: Avier J. Montalvo, übersetzt aus dem Englischen (DK)

Manchmal geschehen sie noch, die sprichwörtlichen Wunder, und man erhält eine Gelegenheit, die das Leben höchstens ein Mal bietet. Bei mir war es die Aufzucht von Korallenfischlarven, die Brutstockfische vieler Arten in einem gewaltig großen Ausstellungsaquarium fortwährend produzierten.

(...) In meinen ersten Tagen am Oceanic Institute, in der Nähe von Makapu'u Point auf der Insel Oahu, wurde deutlich, dass für eine dauerhafte, zuverlässige Massenproduktion des Gelben Hawaii-Doktorfischs noch viel Forschung betrieben werden musste. Das überraschte mich allerdings nicht. Es dauert immer eine Weile, die Nachzucht einer neuen Art zu optimieren. Was mich aber besonders lockte, war die Tatsache, dass im OI fast ausschließlich offene Beckensysteme eingesetzt wurden, die mit dem Meer in Verbindung standen. Bisher hatte ich meine Nachzuchten stets in geschlossenen Beckenanlagen durchgeführt.

Kurz danach nahm mich Dr. Callan, Forschungswissenschaftler und Leiter der Flossenfisch-Abteilung des OI, mit zu Aulani, dem Disney-Resort auf Oahu, wo es meine Aufgabe sein sollte, Fischeier aus einem Salzwasserpool namens Rainbow Reef zu sammeln. Ich war überwältigt von den Ressourcen, die in Pflege und Wartung dieser Ausstellung investiert wurden, und auch vom erstaunlichen Zustand der Fische. In diesem rund 628.000 l fassenden Becken lebten mehr als 40 unterschiedliche Arten, die meisten für die Hawaii-Inseln endemisch. Ich hatte mir schon im Vorfeld Gedanken darüber gemacht, wie man in einem Becken dieser Größe der Eier habhaft werden kann, die von den Fischen freigesetzt werden. Eine Liste aller gepflegten Arten lag mir vor, sodass ich auch wusste, wie sie laichen und mit welcher Eigröße zu rechnen ist. Aber das alles war absolut überwältigend, mir wurde regelrecht schwindelig.

Sammeln der Eier

In den folgenden Tagen ging es um den Bau einer Eierfalle. OI hatte bereits eine Phytoplankton- (Mikroalgen) und Lebendfutterproduktion an Ort und Stelle, also musste ich mich nicht wirklich darauf konzentrieren. Ich musste aber herausfinden, wie man die Eier in diesem riesigen Becken am besten sammeln und ins OI-Labor bringen konnte, wo ich meine Larvenaufzuchtbecken aufstellen würde. Ich favorisierte ein Fallen-Design, das jenem ähnelte, das ich früher schon erfolgreich eingesetzt hatte. Auch entwarf ich für den Einsatz mehrerer Kollektoren in diesem Becken eine regelrechte Strategie, um sie mit Verankerungsseilen zu befestigen und mit Tauchgewichten an Ort und Stelle zu halten. (...)

Den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 112