Teufelsfisch (Inimicus didactylus)
im Aquarium Foto: E. Thaler

Text: Daniel Knop

Raubfische sind nicht die idealen Tiere für die Aquarienpflege, aber für manchen Aquarienfreund haben sie einen ganz besonderen Reiz. Das könnte mit ihrer Gefährlichkeit für Beutetiere zusammenhängen, doch auch ihre vielschichtige Interaktion mit potenziellen Beutetieren ist ausgesprochen spannend.

Wer Raubfische betrachtet, hat nicht nur einen Prädator vor sich, der sich von Tieren ernährt. Zugleich sieht er mit diesem Raubfisch einen Teil eines komplexen Systems gegenseitig wirkender Regelwerke, über die nicht nur Tierpopulationen gesteuert werden, sondern sekundär sogar die von Nahrungspflanzen wie Meeresalgen. Die geniale Erfindung der Evolution, die die Basis solcher Regelwerke mit feinen Balancen darstellt, heißt Koevolution.

Koevolution von Räuber und Beute
Unter dem Begriff Koevolution versteht man die wechselseitige Anpassung zweier Arten, die sich gegenseitig stark beeinflussen. Das trifft ganz besonders auf Räuber und Beute zu, z. B. die Raubfische, die im Mittelpunkt dieses KORALLE-Titelthemas stehen. Grundlage dafür ist, dass beide Spezies aufeinander einen Selektionsdruck ausüben. Das kann z. B. so aussehen, dass der Raubfisch, der auf bestimmte Fischarten als Nahrung spezialisiert ist, bei seinen Nachkommen im Rahmen von Mutationen vorteilhafte Anpassungen entstehen lässt, die sich beim Nahrungsfang bewähren. Das kann z. B. eine schärfere Sehfähigkeit sein, schnelleres Spurtverhalten oder kräftigere Fangzähne. Diejenigen Raubfische, die diese Anpassung besitzen, erzeugen durch bessere Ernährung letztlich mehr Nachkommen und entwickeln sich körperlich auch vorteilhafter. Dadurch haben sie ihren Artgenossen gegenüber einen Fortpflanzungsvorteil und setzen sich schließlich durch.
Das Zustandekommen dieser Adaption ist allerdings nicht die Leistung der Raubfischart, denn die hat nur Mutationen hervorgebracht – sonst nichts. Sie hat also eine genetische Streuung erzeugt, mit unterschiedlichen Eigenschaften. Erst die Beutetiere haben bestimmte Mutationen des Räubers als sinnvoll bestätigt, indem sie sich greifen ließen. Es mag paradox klingen, aber durch das Sich-fressen-Lassen hat die Beutetierart eine Selektionsleistung vollbracht, die sich auf die Erbmasse der Raubfisch-Spezies auswirkt: Eine Anpassung ist entstanden.
Dadurch wird nun die Beute-Spezies ihrerseits unter Druck geraten, weil vermehrt Tiere den Räubern zum Opfer fallen. Doch auch hier wirkt eine Selektion, diesmal aber in umgekehrter Richtung: Einige der zahllosen Mutationen, die auch bei den Beutetieren im Rahmen natürlicher genetischer Streuung entstehen und ihre Eigenschaften in der einen oder anderen Richtung variieren, helfen den Gejagten in irgendeiner Form. Das kann bessere farbliche Anpassung an den Hintergrund sein, schnelleres Fluchtverhalten, bessere Sehfähigkeit oder anderes. Wer eine solche sinnvolle Adaption entwickelt hat, lebt länger und kann dadurch im Lauf seines Daseins mehr Nachkommen erzeugen, hat also den übrigen Artgenossen gegenüber einen Fortpflanzungsvorteil.

Den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 115