Die klaren, flachen Gewässer der Korallenriffe
sind auch von UV-Licht durchflutet. Viele
Korallenfische können sich das UV-Licht zu
Nutze machen und es durch Reflexion als
Kommunikationsmittel einsetzen.

Text: Dr. Dieter Brockmann

Die Augen der Fische sind ein Wunderwerk der Natur und unserem menschlichen Auge in mancherlei Hinsicht überlegen. So reicht z. B. die Wahrnehmung an Spektralanteilen von Ultraviolett bis zu rotem Licht im nahen Infrarotbereich, was für Fische Dinge sichtbar macht, die sich unserer Wahrnehmung entziehen.

Farben zu sehen ist nichts anderes, als Unterschiede in der spektralen Zusammensetzung des Lichts zu erkennen. Das Auge des Fischs unterscheidet sich vom Auge des Menschen deutlich. Viele Fischarten sind Tetrachromaten; sie besitzen neben den drei o. g. Zapfen einen weiteren, vierten Farbrezeptor, der z. B. im gelben oder ultravioletten Bereich empfindlich ist. Ein vierter Farbrezeptor kann das wahrgenommene Farbspektrum vergrößern oder die Differenzierung innerhalb des wahrgenommenen Spektrums verbessern, sofern diese Farbwahrnehmung auch vom Gehirn verarbeitet wird.
Klassisches Beispiel hierfür ist der Goldfisch, der zusätzlich zu den rot-, grün- und blauempfindlichen Zapfen auch UV-Zapfen besitzt, die sehr kurzwelliges, ultraviolettes Licht absorbieren und diese Information verarbeiten können. Dieser Zapfentyp hat ein Absorptionsmaximum knapp unter 400 nm (Jacobs 1992).

UV-Licht als Farbe
Im Flachwasser der Korallenriffe spielt die UV-Strahlung in vielerlei Hinsicht eine wichtige Rolle. Die Eindringtiefe ist u. a. von der Klarheit des Wassers abhängig. In den Korallenriffen mit ihrem sehr klaren Wasser können UV-A und UV-B Strahlung durchaus bis in Tiefen von 20 m und mehr vordringen. In diesen Biotopen wird das UV-Licht von einigen Fischarten als effizientes Kommunikationsmittel über kurze Entfernungen verwendet, ohne dass z. B. Raubfische dies über eine größere Entfernung wahrnehmen können. Solche UV-Signale werden schon auf kurze Entfernungen von weniger als fünf Metern gedämpft. Zudem können nicht alle Raubfische UV-Signale sehen, denn das ist von Art zu Art verschieden. Diese Art der Kommunikation basiert auf UV-A Strahlung mit Wellenlängen von 315–400 nm, die für uns Menschen nicht sichtbar ist.
Ein Beispiel dafür ist der Netz-Preußenfisch (Dascyllus reticulatus) aus dem östlichen Indischen Ozean und dem Pazifik, der sich in der Meerwasseraquaristik als sehr gut haltbar erwiesen hat. Sein bevorzugter Aufenthaltsort sind große Stöcke der Steinkoralle Pocillopora eydouxi, in die er sich als Gruppe zurückzieht. Zur Kommunikation mit seinen Gruppenmitgliedern hat er auf der Rückenflosse im Lauf der Evolution ein UV-reflektierendes Farbmuster entwickelt, das innerhalb der Gruppe als Warnsignal vor Raubfischen dient (Losey 2003). Interessanterweise besitzt ein naher Verwandter, der im Indopazifik weit verbreitete Dreibinden-Preußenfisch (Dascyllus aruanus), diese Fähigkeit nicht. (...)

Den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 117