Ein Rhopalaea-crassa-Zooid im Aquarium

Text: Hans-Werner-Balling

Den meisten Aquarianern werden irgendwann bei der Ausübung ihres Hobbys diese faszinierenden festsitzenden Filtrierer begegnen – sei es als Kostbarkeit bei ihrem Aquaristikfachhändler oder als Bewuchs von Lebendgestein, der sich mit etwas Glück relativ dauerhaft im Aquarium etablieren kann. Wie diese eigentümlichen Tiere einzuordnen sind und wie die Bedingungen im Aquarium für sie verbessert werden können, verrät dieser Beitrag.

Beim Einrichten eines Aquariums beginnt nach dem Einbringen von frischem Lebendgestein meist eine stürmische Entwicklung, in deren Verlauf viele interessante Organismen im Aquarium auftauchen, die entweder zum dauerhaften Bestand des Besatzes werden oder bald wieder verschwinden. Insbesondere in diesem Stadium entwickeln sich auf dem Lebendgestein oft Krusten mit einem regelmäßigen Mäander-Muster, scheinbar aus dem Nichts. Dabei ist das Wachstum dieser Krusten viel schneller, als das bei einem Schwamm möglich wäre. Tatsächlich ist die Ausbreitung von Schwämmen mit krustenförmigem Wuchs eher einem späteren Stadium vorbehalten, das eine gewisse Reife des Aquariums kennzeichnet. Diese auf dem Lebendgestein innerhalb von Wochen heranwachsenden Krusten gehören zu einer ganz anderen Tiergruppe, die in die Nähe der Wirbeltiere gestellt wird: den Seescheiden.
Das schnelle Wachstum wird dadurch ermöglicht, dass die Zooide, die durch Knospung entstandenen Einzeltiere, bis auf Reste degenerieren oder zerstört werden können, jedoch dazu in der Lage sind, sich auf einzigartige Weise innerhalb von zwei Wochen wieder vollständig zu regenerieren. Die kennzeichnende Mäander-Anordnung der Zooide, die Botrylloides den deutschen Namen Mäander-Seescheiden eingebracht hat, kommt daher, dass die durch Knospung entstandenen einzelnen Zooide zwar individuelle Einströmöffnungen haben, sich aber (...)

Den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 119