Guaiagorgia anas

Daniel Knop

Sag niemals nie, heißt es im Volksmund, und das gilt auch für Korallen, die im Aquarium normalerweise kaum Wachstum entwickeln. Schafft man die passenden Voraussetzungen, kann man durchaus ein blaues Wunder erleben – im doppelten Wortsinn.

Ehrlich gesagt, ich bin immer noch ganz hingerissen von der fantastischen Wuchsleistung dieser Koralle. Nicht einmal ansatzweise hätte ich mir ein solches Wachstum vorstellen können, als Dr. Jochen Lohner mir am 24. August 2014 ein ca. 5 cm langes Aststück von seiner blauen Gorgonie abschnitt. Es handelte sich um eine Koralle, die ich als Guaiagorgia anas identifizierte (etwas unsicher, aber dazu später mehr). Kurz zuvor hatte er sie als Importtier erworben und in ein 30-l-Nanobecken eingesetzt.
Nie zuvor hatte ich Gelegenheit gehabt, diese Spezies zu pflegen, und darum wollte ich Erfahrungen mit ihr sammeln, nicht zuletzt, weil mich die blaue Farbe aus ästhetischer Sicht ungeheuer reizte, denn Blau ist allgemein im Tierreich sehr selten und insbesondere bei Korallen kaum einmal anzutreffen.
Dieses Korallenstück besaß unten einen kleinen Seitenast, der etwa 25 mm Länge maß, ansonsten war es völlig unauffällig. Ich befreite das Gorgonin-Innenskelett im unteren Bereich einige Millimeter weit vom lebenden Gewebe, klebte das Stück mit Unterwasserepoxidharz in ein leeres Schneckenhaus und befestigte dann dieses Schneckenhaus mit demselben Kleber auf einem künstlichen Substratstück. Der Grund für dieses Schneckenhaus als Zwischenstück war die Überlegung, dass ich zu einem späteren Zeitpunkt die Koralle auf sehr leichte Weise abnehmen könnte, indem ich einfach das Schneckenhaus mit einer Zange zerdrückte, z. B. um die Koralle auf anderes Substrat zu setzen.
Die Koralle platzierte ich in meinem 700-l-Riffbecken vorn im Bodenbereich und reichte ihr mehrfach täglich direkt ein feines Schwebefutter („Reef Pearls“, van Houten). Diese Unterbringung erwies sich anschließend jedoch schnell als unglückliche Strategie, denn ich hatte die fünf Putzergarnelen Lysmata amboinensis unterschätzt, die sich spontan wie Raubtiere auf die Beute stürzten und der Koralle gierig die gefangenen Futterpartikel (...)

Den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 122