Ein Siganus-magnificus-Kaninchenfischpaar
frisst Caulerpa serrulata – ein Geschäft
auf Gegenseitigkeit,

Daniel Knop

Noch immer stellen Algenplagen eine der wesentlichsten Belastungen für das Hobby Korallenriffaquaristik dar. Darum ist es wichtig, von Anfang an die Kontrolle über den Algenwuchs in seinem Aquarium zu behalten.

Eigentlich könnte es so einfach sein: Man möchte bestimmte Tiere pflegen, also setzt man sie ein und erlebt, wie sie sich entwickeln, heranwachsen, sich fortpflanzen und vermehren. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. So machen es Zeitgenossen, die Reptilien pflegen, Vögel, Hamster oder andere Tiere. Nur wir Korallenriffaquarianer machen uns selbst das Leben erheblich schwerer: Wir setzen – teils beabsichtigt, teils nicht – eine unüberschaubare Vielzahl verschiedenster Organismen in einen Glaskasten, von Bakterien über Nematoden, Anneliden, Crustaceen, Mollusken oder Schwämmen und Manteltieren bis hin zu Nesseltieren wie Hydroiden, Weich- und Steinkorallen, Krusten-, Scheiben- oder Seeanemonen – und letztlich neben Fischen unterschiedlichste Algenarten. Sie alle sollen sich entwickeln und ihr genetisch festgelegtes Programm abspulen, in einen Wettstreit um Lebensraum und Nahrung eintreten, sich gegenseitig fördern oder bekämpfen, sich verbünden oder fressen. All das und vieles mehr sind Spielregeln, nach denen unser kleines Ökosystem funktioniert.
Das klingt weit anspruchsvoller, als einen Hamster- oder Vogelkäfig sauber zu halten. Aber genau das macht die Sache eigentlich so außerordentlich spannend. Vieles von dem, was dabei passiert, ist für uns faszinierend und erstaunlich. Wir können lernen, erleben und genießen, denn immer geschieht etwas. An keinem Tag in der Zukunft wird Ihr Riffbecken genau so sein, wie es heute, jetzt und hier gerade ist. Das gibt jedem Moment etwas absolut Einmaliges.
Aber dazu muss es uns gelingen, viele sensible Balancen aufrechtzuerhalten, meist ohne sie wirklich zu kennen. Gehen Sie aber immer davon aus, dass jede einzelne Spezies, die Sie in Ihrem Korallenriffbecken pflegen, es genetisch darauf abgesehen hat, die Welt zu beherrschen (und wer sollte das besser wissen als wir Menschen!). Das gelingt ihr natürlich nicht, weil Konkurrenz- und Fraßdruck sie daran hindern. Aber in fast jedem Lebewesen steckt zumindest theoretisch das Potenzial, sich unter bestimmten äußeren Umständen stark zu vermehren. Gäbe es dieses Potenzial gesteigerter Vermehrung nicht, wären die meisten Arten ja längst irgendwann in ihrer langen Entwicklungsgeschichte ausgestorben. Aber existierten die Gegenspieler nicht, die sie fressen oder verdrängen wollen, hätte die betreffende Spezies längst ihren gesamten Lebensraum in Beschlag genommen und würde das Milieu ihres Lebensraums verändern, bis es schließlich für sie selbst lebensfeindlich geworden wäre (siehe oben).

Den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 123