Algenplagen können in Riffaquarien
große Probleme bereiten. Um sie zu
verhindern, ist ein effizientes
Nährstoffmanagement notwendig

Dr. Dieter Brockmann

Algen sind ein essenzieller Bestandteil eines jeden Riffaquariums. Wir finden sie in allen Nischen und der gesamten Dekoration, angefangen von den problematischen Kugelalgen bis hin zu den krustenförmig wachsenden und geliebten Kalkrotalgen. Erst wenn eine der unerwünschten Arten die Oberhand gewinnt, definieren wie sie als Plage, und spätestens dann ist schnelles Handeln mit geeigneten Gegenmaßnahmen nötig.

Beginnen möchte ich mit der provokanten Frage: Können Algen zu einer Plage werden? Vor noch nicht allzu langer Zeit war ausgedehnter Algenwuchs ein wichtiger Bestandteil eines Meerwasseraquariums. In den sogenannten Holländischen Miniriffaquarien wurden gerade die großblättrigen Algen aus Gattungen wie Halimeda, Caulerpa oder auch Ulva gehegt und gepflegt, damit sie ihrer Bestimmung entsprechen und dem Umgebungswasser Nährstoffe entziehen können. Dieses Konzept spiegelt sich heute noch in den Refugien wider, die als externe Filterergänzung zur Milieuverbesserung von Korallenriffaquarien eingesetzt werden (siehe hierzu auch das Titelthema von KORALLE 121).
Man darf nicht übersehen, dass Algen, insbesondere in Form von Phytoplankton, lebenswichtige Funktionen auf unserem Planeten haben. So verbraucht jeder Mensch täglich durchschnittlich 5.200 Liter Sauerstoff. Rund 50 % dieses Sauerstoffs werden durch die Fotosynthese der Algen und des Phytoplanktons im Meer produziert. Zudem sind Algen wichtige Grundlage der Nahrungskette.
Somit sind Algen zunächst einmal nützliche Bewohner unserer Aquarien, denn hier sind sie nicht nur Nahrungsgrundlage, sondern auch Sauerstoffproduzent. Was hat dann dazu geführt, dass diese Algen nach und nach aus unseren Aquarien verschwunden sind, obgleich sie neben den soeben erwähnten Funktionen auch ästhetisch reizvoll sein könnten? Hintergrund ist sicherlich eine deutlich verbesserte Filtertechnik, die es heute erlaubt, Aquarien sehr nährstoffarm zu betreiben. Damit wird ein Phosphat- und Nitratexport über das Abernten von Algen entbehrlich.
Ein weiterer Grund scheint mir aber ein Paradigmenwechsel in der Riffaquaristik zu sein. Heute werden Aquarien gepflegt, die dicht an dicht mit Stein- und Weichkorallen bewachsen sind. Algen gewährt man in diesen Becken keinen Raum mehr. Sie werden vielmehr als Siedlungskonkurrenten der Steinkorallen betrachtet, die unnötig Platz wegnehmen. Lediglich bei Kalkrotalgen sieht man das allgemein anders. Treten Algen dann doch aus irgendeinem Grund vermehrt auf, werden sie sofort als Plage bezeichnet, da sie die empfindlichen Steinkorallen überwuchern und abtöten können.

Den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 123