Das Meerwasseraquaristik-Fachmagazin KORALLE bietet jedem Meerwasseraquarianer eine Fülle interessanter, fundierter und modern gestalteter Beiträge. Es werden die unterschiedlichsten Aspekte behandelt: Aquarienpraxis, Haltung und Vermehrung einzelner Arten, biologische Hintergrundberichte, Aquarientechnik und -chemie, Neues aus der Wirtschaft, Buchmarkt, Reportagen und Reiseberichte, Interviews und vieles mehr; alles leicht verständlich, allgemein interessant und unterhaltsam. Die Zeitschrift erscheint zweimonatlich.

Dr. Dieter Brockmann

Die Brunnenbauer (Familie Opistognathidae) bilden das Titelthema dieser KORALLE-Ausgabe. Sie gehören zu den Maulbrütern, bei denen die Männchen die Brut bis zum Schlupf in seinem Maul trägt. Maulbrüten ist aber nur eine der zahlreichen Vermehrungsstrategien, die uns das Korallenriff bei Fischen bietet.

Unter den Fischen der Korallenriffe gibt es grob betrachtet zwei Vermehrungsformen: die Freilaicher und die Arten, die eine – zumindest – partielle Brutpflege betreiben. Freilaicher produzieren riesige Menge an Eiern und Spermien, die zur äußeren Befruchtung zeitgleich in die Wassersäule abgegeben werden. Nach dem Ablaichen kümmern sich die Elterntiere nicht mehr um die Brut, die sofort ein Teil des Planktons und damit zahlreichen Gefahren (Fressfeinden) ausgesetzt ist. Die Anzahl der Überlebenden eines Ablaichzyklus, die es letztendlich schaffen, sich ein Revier im Riff zu erobern, ist verschwindend gering. Die Freilaicher setzen also auf Quantität, um das Überleben der Art zu sichern.

Ganz anders dagegen ist der Ansatz der brutpflegenden Arten. Sie produzieren vergleichsweise wenig Nachkommen, da die Brutpflege sehr energieaufwendig ist und die dafür benötigte Energie nicht in die Produktion von Gameten, sondern in den Schutz des Geleges gesteckt wird. Die geringe Zahl an Nachkommen wird jedoch dadurch aufgefangen, dass diese im Gegensatz zu den Freilaichern die erste gefährliche Entwicklungsphase bis zum Schlupf quasi „unter Bewachung“ überstehen und in dieser Zeit vor Fressfeinden sicher sind. Es sind also weniger Nachkommen notwendig, um das Überleben der Art zu sichern. Somit setzen brutpflegende Arten nicht auf die Quantität, sondern vielmehr auf die Qualität ihrer Strategie.

Freilaicher
Viele Fischarten, die wir in unseren Riffaquarien pflegen, zählen zu den Freilaichern. Manche Spezies, wie der Weißkehl-Doktorfisch (Acanthurus leucosternon), sammeln sich zu bestimmten Zeitpunkten an bestimmten Stellen im Riff zu riesigen Schwärmen, aus deren Mitte immer wieder gleichzeitig mehrere Individuen in die Wassersäule hochschießen, um auf dem Höhepunkt ihre Gameten in die Wassersäule abzugeben. Andere Arten bilden Haremsstrukturen mit einem dominanten Männchen und mehreren Weibchen. Beispiele hierfür sind viele Zwergkaiserfische (Centropyge spp.) und die Korallenwächter (Familie Cirrhitidae). Beide „Gesellschaftsformen“ haben ihre Vorteile. Insbesondere fällt der Verlust eines Einzelindividuums nicht ins Gewicht, da er sofort aus dem Schwarm oder dem Harem der protogynen Hermaphroditen ersetzt werden kann.

 

Den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 156