Teil 1: Natürlicher Lebensraum und der Weg zum Aquarium

von Verena Klein

Lange Zeit waren sie ein wohlbehütetes Geheimnis des Ozeans. Allein die Vorstellung, es könnten Korallengärten in der kalten, dunklen Meerestiefe existieren, galt viele Jahre als kurios. Inzwischen wissen wir mehr ...

Als der Biologe Carl Dons in den 1930er-Jahren behauptete, es gebe in den Fjorden Norwegens Korallen, wurde er nur belächelt. Weltfremd erschien die Vorstellung, diese Tiere könnten fernab des Sonnenlichts und bei derart tiefen Temperaturen existieren. Diese Behauptung kollidierte mit dem Wissen der damaligen Zeit erheblich. Selbst Korallenfragmente als Fundstücke, die Dons als Beweismittel vorlegte, wurden zurückgewiesen.

Dabei waren den heimischen Fischern diese merkwürdigen „Pflanzen“, die immer wieder ihre Netze zerrissen, schon sehr viel länger bekannt. Bereits seit 1755, also seit über 250 Jahren, weiß man prinzipiell um die Existenz der Korallen. Erik Pontoppidan, damals Bischof von Bergen, hatte eine Spezies in seinem Buch „The Natural History of Norway“ benannt, die nur drei Jahre später von Carl von Linné in seinem Systema Naturae als Madrepora pertusa beschrieben wurde.

Carl Dons ließ sich nicht beirren, setzte seine Nachforschungen fort und nutze die Funde der Fischer, um sich ein genaueres Bild zu verschaffen, Zeichnungen anzufertigen und Hypothesen aufzustellen. Seine Ergebnisse veröffentlichte er, damals noch unbeachtet, und führte bis in die 1940er-Jahre weitere Studien durch. Es war ihm möglich, über einhundert Riffe zu identifizieren – und das mit den wenigen ihm zur Verfügung stehenden, einfachen Mitteln. Die Angaben der Fischer wurden für ihn dabei wichtigstes Informations- und Orientierungsmittel. Die zuvor als Madrepora pertusa beschriebene Koralle stellte er in die Gattung Lophelia – die bis heute gültige Zuordnung. Nachdem Dons verstorben war, führten die Kaltwasserkorallen in der wissenschaftlichen Wahrnehmung wieder ein Schattendasein. Nur sehr wenige Forscher veröffentlichten in der darauffolgenden Zeit vereinzelt Aufzeichnungen (Roberts et al. 2009).

 

Den vollständigen Artikel findne Sie in Ausgabe 97