von Daniel Knop

„Riffe in Gefahr“ (Printausgabe) und „Freiheit für die Fische“ (online) – unter diesen Titeln verlangt Autor Bernd Brunner in der Wochenzeitung „DIE ZEIT“, Aquarien abzuschaffen, offenbar im Windschatten von Kritik am Animationsfilm „Findet Dorie“

Ein seltsamer Artikel – vor allem für ein Medium dieses Formats. Bernd Brunner, ein deutscher Autor von Sachbüchern und Beiträgen für renommierte Zeitschriften, fordert, Aquarien endlich abzuschaffen (Brunner 2016). Heutige Aquarianer stellt er pauschal als üble Zeitgenossen dar, die Tiere sinnlos quälen. In der Vergangenheit sei alles besser gewesen, findet er: „Früher diente das Aquarium der Forschung. Heute ist es zum kitschigen Hobby verkommen.“

Ich versuche mir vorzustellen, wie ich auf einen solchen Artikel reagieren würde, wenn ich mich nicht drei Jahrzehnte lang beruflich mit der Meerwasseraquaristik befasst hätte, sondern völlig ohne Vorkenntnisse an Brunners Beitrag herangegangen wäre, wie wahrscheinlich die weitaus meisten der „ZEIT“-Leser. Ich würde zunächst einmal annehmen, Brunner werde schon wissen, wovon er spricht respektive schreibt. Dass er also gründlich recherchiert habe. Dass er die Aquarianerschaft und ihre heutige Praxis differenziert studiert habe und mir nun seine Erkenntnisse vermittle.

Dann würde ich interessiert seiner ausführlichen Schilderung folgen, die beschreibt, wie sich das Aquarium historisch entwickelt habe. Namen wie Richard Owen, Anna Thynne oder Philip Henry Gosse fallen, die Rolle des Aquariums in der viktorianischen Zeit und anderen Epochen kommt zur Sprache, und die ehrwürdige Absicht, mehr über die Natur zu erfahren, biologische Vorgänge zu verstehen. „Keine Frage“, würde ich denken, „der Mann weiß, wovon er schreibt“. Schließlich ist er Autor eines Buches zu diesem Thema: „Wie das Meer nach Hause kam – Die Erfindung des Aquariums“.

 

„Aquaristen sind eine Subkultur“

Was dann kommt, würde mir wahrscheinlich graugelbe Farbe ins Gesicht treiben: „Bei den Aquaristen handelt es sich um eine Subkultur, die ihren eigenen Gesetzen folgt“, schreibt er. „Was hier zählt, ist Exotik. Es gilt, möglichst farbenprächtige oder seltene Fische, eine bestimmte Koralle oder eine Anemone zu ergattern. Das sichert die Anerkennung der Gemeinde. Die Herkunft ihrer Tiere interessiert nur wenige.“ Kitschige Zurschaustellung lebender Tiere, ohne irgendeinen Nutzen für Gesellschaft oder Natur? Entsetzt wäre ich! Verbieten müsste man so was, ebenso wie private Autorennen auf öffentlichen Straßen oder Kettenbriefe!

Nun bin ich aber, wie erwähnt, seit mehr als dreißig Jahren beruflich mit der Meerwasseraquaristik befasst, und darum fiel mir beim Lesen einiges auf, das mich – charmant formuliert – stutzig machte. Brunner wirft Süßwasser- und Meerwasseraquaristik so sehr durcheinander, dass der Eindruck aufkommt, er kenne die heutige aquaristische Wirklichkeit bestenfalls aus der Ferne. Korallenriffaquarien sieht er als „Travestie des künstlichen Bodens mit seinen farbigen Steinchen und eingefärbten Nesseltieren“. Mit lebenden Korallen hat er gar nichts am Hut – was er über Korallenriffaquarien schreibt, lässt nur schemenhafte Konturen erahnen, und vieles, das bei diesem Hobby im Mittelpunkt steht, wird gänzlich ausgespart. „Bald erreichte die Aquarienmode Deutschland, mit all den ökologischen Folgen, die das Hobby bis heute hat“, schreibt Brunner. Will er damit allen Ernstes behaupten, es hätte in der Korallenriffaquaristik während der letzten Jahrzehnte keine ökologischen Fortschritte gegeben?

 

Korallenfragmente für neue Aquarien

Als ich am 6. Januar 1986 mit der Korallenriffaquaristik begann, befand sich dieses Hobby weltweit noch in den Kinderschuhen. Über die Lebensweise von Steinkorallen wusste niemand – die akademische Meeresbiologie ausdrücklich eingeschlossen – genug, um ihnen einen künstlichen Lebensraum zu bieten, in dem sie wachsen und gedeihen konnten. Man war glücklich, Weichkorallen jahrelang am Leben erhalten zu können, und manch ein Liebhaber freute sich noch über die rasante Vermehrung von „Manjano“-Zwerganemonen (Ernsthaft! Ich war einer davon!). Die Vorstellung, einmal Steinkorallen längere Zeit pflegen zu können, erschien sogar Aquaristikexperten absurd, selbst dem Pionier Peter Wilkens, und niemand wäre auf die Idee gekommen, dass mit Meerwasseraquarien in der akademischen Meeresbiologie einmal ernstzunehmende Forschung betrieben werden könnte.

Inzwischen hat sich viel geändert. Zahllose Korallenriffaquarianer pflegen heute kleine Korallenriff-Ökosysteme in ihrem Wohnzimmer, in denen eine große Artenzahl an Korallen wächst und gedeiht. Diese meist regelrecht wuchernden Steinkorallen müssen regelmäßig gekürzt werden, weil sie sich sonst gegenseitig abschatten und bedrängen würden. Und die Menge an Fragmenten lebender Korallen, die bei diesen „gärtnerischen“ Arbeiten anfallen, reicht mühelos aus, um zahlreiche neue Aquarien damit zu bestücken. Um dies zu belegen, stattete ich das 700-l-Aquarium in meinem Büro ausschließlich mit zentimeterkleinen Korallenfragmenten aus Farmzucht oder anderen Aquarien aus (Knop 2015), und schon ein Jahr später wusste ich kaum, wohin mit geernteten Fragmenten.

Zahlreiche engagierte Aquarianer betreiben in Deutschland und anderswo Korallenfarmen, wie z. B. Jürgen Wendel in Leinsweiler, der in seiner Anlage rund 30.000 Nachzuchtkorallen für den Aquaristikfachhandel heranwachsen lässt (Knop 2012). Die weitaus meisten der im Handel vertriebenen Korallen stammen aus solchen Inlandsfarmen oder aus Korallenfarmen in den tropischen Herkunftsländern. Ich selbst durfte Mitte der 1990er-Jahre in diesem Feld Pionierarbeit leisten (Knop 2012, 2016), und inzwischen sind z. B. in Indonesien, aber auch anderen Ländern unzählige Korallenfarmen im Betrieb, die den Großteil der Aquarienkorallen produzieren.

Das Übertragen der aquaristischen Korallenvermehrung auf den natürlichen Lebensraum, was Korallenfarmen überhaupt erst ermöglichte, bietet inzwischen auch unerschöpfliche Möglichkeiten für die Rehabilitation geschädigter Riffzonen, z. B. in Florida, wo Ken Nedimyer und seine Mitarbeiter von der Coral Restoration Foundation (CRF) mit eben diesen Methoden daran arbeiten, das lokale Aussterben der beiden karibischen Acropora-Arten zu verhindern (Knop 2014).

 

Riff-Rehabilitation mit aquaristischen Methoden

Viele engagierte Korallenriffaquarianer sind inzwischen über ein Biologiestudium in die akademische Meeresbiologie hineingewachsen und leisten wichtige Beiträge zur Erforschung des Ökosystems Korallenriff. Dazu gehört auch der Versuch, die geschlechtliche Fortpflanzung von Korallen besser zu verstehen (z. B. Dr. Dirk Petersen oder Samuel Nietzer), was einen gewaltigen Fortschritt in Sachen Riff-Rehabilitation verspricht. Über sensationelle Erfolge in diesem Bereich berichteten wir in dieser Zeitschrift (Petersen 2014, Nietzer 2016a, 2016b), und aus all diesen Forschungsarbeiten ist die moderne Korallenriffaquaristik mit ihrer Peripherie (Aquarientechnik, Aquarienchemie, Pflegemethoden) nicht wegzudenken, einschließlich der jahrzehntelangen Erfahrungen privater Aquarianer. Korallenriffaquarien sind heute nicht nur in Wohnzimmern zu finden, sondern auch in den Labors der akademischen Meeresbiologie. „Längst haben sie ihre ursprüngliche Funktion, wissenschaftliches Beobachtungsinstrument für Biologen zu sein, verloren“, urteilt Brunner über die heutigen Aquarien. Willkommen in der Wirklichkeit!

Auch bei der Nachzucht von Korallenfischen sind die Fortschritte bahnbrechend. Noch vor wenigen Jahren hätte kaum jemand zu hoffen gewagt, dass es einmal möglich sein würde, Doktorfische (Acanthuridae) zu züchten. Clownfische, Zwergbarsche, Leierfische und zahlreiche weitere Familien sind inzwischen nicht nur züchtbar, sondern gelangen oft bis regelmäßig in den Aquaristikfachhandel. Doch Doktorfische künstlich zu vermehren, galt schlicht als Ding der Unmöglichkeit, als Quadratur des Kreises. Dank der intensiven Kooperation von Wissenschaftlern und Aquarianern gelang aber in den USA bei dem Gelben Hawaii-Doktorfisch (Zebrasoma flavescens) unlängst der Durchbruch (Callan 2016), und in der vorliegenden Ausgabe der KORALLE berichten wir über die weltweit erste gelungene Nachzucht von „Dorie“, dem Palettendoktorfisch (Paracanthurus hepatus) (Eric J. Cassiano, „Ein königlicher Anfang – die Welt-Erstnachzucht des Palettendoktorfischs“). Freilich wird es noch lange dauern, bis dies die Zahl von Naturentnahmen reduzieren kann, doch die Weichen dafür sind gestellt, und die Fortschritte werden bald auch die Nachzucht weiterer Arten ermöglichen.

Die Interaktion zwischen engagierten Korallenriffaquarianern und Meeresbiologen hilft enorm dabei, das Ökosystem Korallenriff und seine Bewohner Schritt für Schritt besser zu verstehen. Und das tut not, weil das Verbrennen fossiler Energieträger und das Abholzen von Regenwäldern noch immer erheblich dazu beiträgt, feine klimatische Balancen unseres Planeten massiv zu verschieben und dadurch ganze Ökosysteme zu zerstören – z. B. eben die Korallenriffe. Ein Blick unter die Wasseroberfläche des australischen Great Barrier Reef (Stand 2016) sagt mehr als tausend Worte.

Dass sich Bernd Brunner um maritime Lebensräume sorgt, ist erfreulich. Dafür bieten sich allerdings bessere Ansatzpunkte, als Aquarianer zu diffamieren. Pariser Klimaschutzvertrag hin oder her, die wirklich effektive Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen wird vorläufig reine Theorie bleiben, ebenso wie ein Stopp der dramatischen Überfischung der Weltmeere oder der Regenwaldabholzung, die über reduzierte CO2-Aufnahme ebenfalls den Treibhauseffekt verstärkt und letztlich Riffe schädigt. Überall gäbe es etwas zu tun. Und wer das Leidensgedächtnis von Fischen betont, aber die Realitäten der heutigen Speisefischerei, in der jährlich rund zweitausend Milliarden Fische auf unvorstellbar brutale Weise zu Tode kommen (Wild 2016), achselzuckend zur Kenntnis nimmt, ist entweder nicht intelligent oder nicht ehrlich. Was wir brauchen, ist nicht populistisches Randgruppen-Bashing, sondern ein tatsächliches Verständnis der Ursachen unserer Probleme. Und die liegen in unser aller Lebensweise – vom Autofahren bis zur Plastiktüte!

 

Aquarium und Persönlichkeitsentwicklung

Welche positiven Effekte kann die Korallenriffaquaristik in unserer Gesellschaft haben? Die Antwort ist sehr einfach, doch dafür muss ich etwas weiter ausholen: Empathie und Verantwortungsgefühl für den Umgang mit anderen Lebewesen sind Eigenschaften, die der heutigen Gesellschaft mehr und mehr abhandenkommen. Ich habe selbst zwei Kinder, und schon vor langer Zeit machte ich mir Gedanken über die Frage, wie man Kinder zu mitfühlenden und verantwortungsvollen Erwachsenen heranwachsen lassen kann, zu Menschen, die mit ihrer Empathie wichtige Mitglieder unserer Gesellschaft sind, die aber auch Naturverständnis besitzen und mit Ressourcen verantwortungsvoll umgehen. Das Rezept, das ich mir dafür in meinen Zwanziger-Lebensjahren zurecht legte, besteht darin, die Kinder mit der Natur intensiv vertraut zu machen – also nicht nur über Fernsehdokumentationen – und ihnen Verantwortung zu übertragen. Zunächst für eine Pflanze, z. B. mit fünf oder sechs Jahren. Verständnis wachsen lassen für die Bedürfnisse einer lebenden Kreatur. Begeisterung erzeugen für das Wachstum und das Blühen einer Blume, das man mit der Pflege erreicht hat. Nächster Schritt: Dem etwas älteren Kind wird ein Tier anvertraut. Kein Exot, nichts Anspruchsvolles, Empfindliches, sondern ein pflegeleichtes Tier, das im Kind Emotionen weckt und den Wunsch erzeugt, seiner Verantwortung für ein Lebewesen auch tatsächlich nachzukommen.

Üblicherweise ist das ein Hamster oder ein Vogel, eingesperrt in einen Käfig. Aber ich wollte keinen Käfig im Haus. In unserem Fall waren es Tiere, die in meinen Aquarien zu sehen waren, denn unsere Kinder wuchsen mit Korallenriffaquarien auf. In einem Aquarium lebt ein Tier in einem kleinen Ökosystem. Unser Sohn hatte im großen Riffaquarium eine Ecke, die „seine“ war und in der er Regie führte. Später, mit zehn Jahren, machte er sich selbst verantwortlich für die Korallenfische in dem 6.000-l-Aquarium, während die Korallen in meinen Zuständigkeitsbereich fielen. Beide Kinder wollten Tauchen lernen und den Lebensraum Korallenriff in der Natur erleben. Sie liebten Korallen, Riesenmuscheln, Garnelen, Korallenfische, Seesterne, Delfine, Wale. Und Schmetterlinge, Vögel, Fledermäuse, Igel, auch Katzen, Hunde, Bäume, Blumen. Unser Sohn begeisterte sich sogar für Würmer und Spinnen.

Heute sind sie beide empathische Erwachsene in ihren Dreißigern, Mediziner, die sich zur Aufgabe gestellt haben, Leben zu retten. Doch sie wären gern auch Biologen geworden. Oder etwas anderes, das sich mit lebenden Kreaturen befasst. Fazit: Seine Kinder mit intensiver, authentischer Naturerfahrung heranwachsen zu lassen, sie fortwährend mit Tier und Pflanze interagieren zu lassen, sehe ich als wertvollen, sogar unersetzlichen Beitrag zur Persönlichkeitsbildung. Und ein privates Aquarien-Ökosystem, dessen biologisches Funktionieren man verantwortlich miterlebt, ist hierfür besser geeignet als Fernsehdokumentationen oder irgendetwas anderes. Natur muss man begreifen, im direktesten Wortsinn, und man muss mit ihr interagieren.

Die nachgebauten Lebenswelten aus Fischen, Korallen und Pflanzen dienten der Arbeit von Naturkundlern des 19. Jahrhunderts, die den Geheimnissen der Unterwasserwelt näher kommen wollten“, schreibt Brunner in seinem Artikel und fährt fort: „Und heute? Sind die meisten Becken kitschige Relikte der Vergangenheit, die uns gefangene Tiere in künstlicher Umgebung zeigen.“ Falsch! Heute wie damals sind Aquarien ein wichtiger Bezug des Menschen zur Natur und insbesondere für Kinder eine großartige Möglichkeit, die empfindlichen Balancen eines Ökosystems kennenzulernen. Kinder mit Aquarien heranwachsen zu lassen, ist ein weitaus wertvollerer Beitrag für ihre Persönlichkeitsbildung als Smartphone, Nintendo oder Pokemon Go. Freilich ist in der heutigen Aquaristik manches kritikwürdig, mithin sogar verwerflich. Solche Kritikpunkte müssen zur Sprache kommen, um für Probleme Lösungen zu finden. Sicher, die aquaristische Industrie ist nicht frei von Gewinnsucht, Kommerz und Geschäftemacherei – wie jeder andere Bereich der menschlichen Gesellschaft auch. Wo dies zu Lasten der Tiere geht, muss nachgebessert werden, konsequent und ehrlich. Kritik an den Vorgängen in der Aquaristik – vom Ursprung der Tiere bis zur Pflege im Aquarium – ist darum ausdrücklich erwünscht, denn die weitaus meisten Aquarianer sind sehr daran interessiert, nicht nur gesunde Tiere zu erhalten und sie gut zu pflegen, sondern auch daran, natürliche Ökosysteme zu schonen und zu schützen.

 

„Flachbildschirm statt Meerwasser das ist eine gute Alternative“

Aquarianer sollen ihr Aquarium abschaffen und stattdessen „eine jener maritimen Naturdokus auf unseren riesigen Flachbildschirmen konsumieren“, fordert Brunner: „Warum belassen wir sie nicht in ihrer natürlichen Umgebung und freuen uns an dem Gedanken, dass es sie dort gibt?“, fragt er. Ganz einfach: Weil die natürlichen Lebensräume dieser Tiere zunehmend durch Umweltverschmutzung, Überfischung, Klimaverschiebung und anderes zerstört werden. Schon heute gibt es Korallenarten, die seit langer Zeit nirgendwo im natürlichen Lebensraum mehr angetroffen wurden, die aber in der Aquaristik existieren und sich vermehren (z. B. Bruce Carlson, pers. Hinw.). Meerwasseraquarien als Genpool – ein Blick auf das Great Barrier Reef mit seinen massiven Ausbleichungen macht deutlich, wie wichtig es ist, das Überleben der Riffe aktiv zu unterstützen. Riffaquarianer tragen z. B. mit ihrer systematischen Weiterentwicklung der Vermehrungsmethoden für Korallen dazu bei, Korallenriffe zu erforschen und zu schützen. Schon im Jahr 2000 schrieb der australische Meeresbiologe Prof. J. E. N. Veron im KORALLE-Interview (Knop 2000): „Es ist unverkennbar, dass wir die Riffe heute nicht einfach sich selbst überlassen können, wenn wir sie erhalten wollen. Es gibt schon einige Regionen, in denen ein großer Teil der ursprünglichen, natürlichen Artenvielfalt verschwunden ist. Da Korallen im Aquarium sehr große Mengen an Larven erzeugen können, ist es ganz sicher sinnvoll, diese Methode für das Regenerieren von Riffen einzusetzen. Ich hatte dies früher für eine völlig unrealistische Perspektive gehalten, aber inzwischen erscheinen mir weitgehende menschliche Eingriffe als einziger Weg, die Riffe zu erhalten.“ Das also konstatierte einer der weltweit angesehensten Experten für Steinkorallen bereits vor 16 Jahren!

Korallenriffaquarien sind nicht, wie Brunner meint, „kitschige Relikte der Vergangenheit“, die mit „effektvoll illuminierten Unterwasserthemenwelten“ gefüllt sind, damit man sich „aus bequemer Haltung in die Tiefen der Ozeane halluzinieren“ kann. Korallenriffaquarianer haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten dazu beigetragen, das allgemeine Naturverständnis zu schulen. Sie haben aus dem Meerwasseraquarium ein Forschungsinstrument entwickelt und Werkzeuge für die Rehabilitation geschädigter Riffe geschaffen (Knop 2013).

Wie gesagt, ein seltsamer Artikel ist das, vor allem in einer Zeitung dieses Formats. Betrachtet man weitere „DIE ZEIT“-Beiträge, in denen private Tierhalter in ähnlich beleidigender und populistischer Weise mit schlecht recherchierten Fakten diffamiert werden, z. B. „Chinesen lieben Elfenbein, wir quälen Geckos“ (Lüdemann 2016), so könnte man den Eindruck gewinnen, dass hier mit allen Mitteln gezielt Stimmung gegen die private Tierhaltung gemacht werden soll.