von Steffen Klos

Mit einer neuen, unkomplizierten Methode lässt sich der pH-Wert vieler Meerwasseraquarien stabilisieren, ohne das Wasser direkt zu behandeln

Der pH-Wert ist im Meerwasseraquarium ein wichtiger Parameter. Man darf ihn nicht isoliert betrachten, denn er ist Bestandteil eines komplexen wasserchemischen Gefüges. Er kann natürlich durch mineralische Mangelzustände instabil werden (Karbonathärte) oder durch sehr starke Produktion organischer Säuren (biologische Überbelastung) – und wer hier ein Problem in seinem Aquarium hat, muss dieses natürlich an der Ursache angehen.

Üblicherweise sind im Meerwasseraquarium pH-Werte zwischen 7,8 und 8,4 zu messen. Zahlreiche Korallenriffbecken weisen jedoch auch bei normalen Karbonathärte-Messwerten notorisch niedrige pH-Werte auf, ohne dass dafür eine Ursache ermittelt werden kann. Stellen Sie in einem solchen Fall zunächst einmal sicher, dass Sie korrekt messen. Auch muss die pH-Messung stets zur gleichen Tageszeit durchgeführt werden. Das liegt daran, dass alle Algen während der Beleuchtungsphase CO2 aus dem Wasser aufnehmen, was den pH-Wert im Tagesverlauf steigen lässt. Abends zum Ende der Beleuchtungsphase ist er am höchsten, und während dann nachts keine Fotosynthese stattfindet, kumuliert das von allen Organismen im Aquarium freigesetzte CO2 und lässt den pH-Wert wieder sinken. Zu welcher Tageszeit Sie Ihren Messwert erfassen, ist nebensächlich, doch es sollte stets ungefähr dieselbe sein.

Sind Messfehler ausgeschlossen und liegen die Werte ohne erkennbare Ursache zu niedrig, also tagsüber oder abends bei 7,8 oder niedriger, so könnte Ihr Problem in einem CO2-Überschuss der Raumluft liegen. Manche Kalkreaktoren geben überschüssiges CO2 über die Wasserauswurfleitung ab, und dieses kann durchaus durch die Wasseroberfläche diffundieren. Ein solches Problem ist technisch zu lösen. Stammt das CO2 jedoch aus der Zimmerluft, z. B. aus der Atmung von Mensch und Tier, so muss man andere Wege gehen.

Konventionelle pH-Stabilisierung

Eine beliebte Möglichkeit, den pH-Wert im Tagesverlauf zu stabilisieren, ist der Betrieb eines Algenrefugiums im Filterbecken, das zeitversetzt zur Beleuchtung des Aquariums beleuchtet wird: Wird im Aquarium das Licht gelöscht, schaltet man über dem Refugium die Beleuchtung ein, so dass die Fotosynthese der Algen das Absinken des pH-Werts weitgehend verhindert. Auch gibt es natürlich viele Produkte im Fachhandel, mit denen sich der pH-Wert stabilisieren lässt, in der Regel direkt auf Basis von Natriumhydroxid oder indirekt über die Karbonathärte, z. B. mit Natriumhydrogenkarbonat. Die Anwendung solcher Mittel birgt jedoch auch immer Risiken und greift tief in den Wasserchemismus ein.

 

Den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 104