Das Rising Tide-Team im Tropical
Aquaculture Lab (TAL) mit dem
Palettendoktorfisch-Brutstoc

Text: Ret Talbot, Übersetzt aus dem Englischen (DK)

„Allgemein ist die Überzeugung verbreitet, die Nachzucht von Aquarienfischen sei unzweifelhaft gut – sie verhindert habitatschädigende Fangmethoden, und die Fische sind besser an Aquarienbedingungen gewöhnt. Diese vereinfachte Sichtweise trifft größtenteils auch zu, doch die Komplexität dieser Problematik ist so groß, dass ein vereinfachendes Mantra wie „Aquarienfisch-Nachzucht ist gut“ der Sache nicht gerecht wird.“ (Dr. Michael Tlusty in der Zeitschrift „Ornamental Fish International Journal", 2004).

Aquakultur – Grundpfeiler eines nachhaltigen Fachhandels?

Wäre die Aquakultur mariner Aquarienfisch-Arten wirklich auf Nachhaltigkeit ausgerichtet, müsste die Liste der leicht verfügbaren Nachzuchtfische sehr viel anders aussehen, als wir sie heute erleben. Nachhaltigkeit bedeutet in diesem Fall, dass Methoden eingesetzt werden, die die Auswirkungen auf relativ seltene Arten verringern – solche, deren Verbreitung oder Individuenzahl begrenzt ist.
Der Handel mit Meerestieren umfasst derzeit mehr als 2.300 Fischarten, von denen jedoch nur etwa 300 Arten erfolgreich nachgezogen wurden. Von diesen wiederum werden lediglich etwa 30 auch tatsächlich kommerziell gezüchtet und stehen dem Aquarianer im Handel zur Verfügung. Diese Tatsache ist wichtig, weil sich der Widerstand gegen den Meerwasseraquaristik-Fachhandel zum größten Teil auf den Vorwurf fehlender Nachhaltigkeit stützt, einschließlich Überfischung und destruktiver Fangmethoden.
Die Meerwasseraquaristik bietet viel Angriffsfläche, weil sie überwiegend auf schlecht dokumentierbare Wildfänge angewiesen ist. Damit ist sie eines der letzten Segmente der Heimtierhaltung, die stark von Naturentnahmen abhängig sind. Während manche Menschen aus moralischen Gründen jede Tierhaltung verbieten möchten, sagen viele Gegner des Aquarienhandels (wie auch Gegner des Wildvogelhandels), dass sie Handel und Tierhaltung tolerieren, sofern ausschließlich Nachzuchten eingesetzt werden. Hinzu kommt, dass mehrere führende Unternehmen der Aquaristikbranche einen hundertprozentigen Aquakulturhandel als „Goldstandard“ bezeichnen, und es ist leicht zu verstehen, warum die Aquakultur so oft als tragende Säule des Handels bezeichnet wird. Aber wenn das wirklich zutrifft, warum stammt dann nicht ein größerer Anteil der Fische im Handel aus der Nachzucht?
Sich auf die Nachzuchten zu berufen, wird in zunehmender Weise zur Standardverteidigung eines Fachhandels, der mit dem Rücken zur Wand steht. Zu keiner Zeit wurde dies deutlicher als im Jahr 2011, als die Fachhandelskette PetCo auf eine Kampagne (...)

Den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 116