Das Meerwasseraquaristik-Fachmagazin KORALLE bietet jedem Meerwasseraquarianer eine Fülle interessanter, fundierter und modern gestalteter Beiträge. Es werden die unterschiedlichsten Aspekte behandelt: Aquarienpraxis, Haltung und Vermehrung einzelner Arten, biologische Hintergrundberichte, Aquarientechnik und -chemie, Neues aus der Wirtschaft, Buchmarkt, Reportagen und Reiseberichte, Interviews und vieles mehr; alles leicht verständlich, allgemein interessant und unterhaltsam. Die Zeitschrift erscheint zweimonatlich.

Dr. Dieter Brockmann

Korallenriffe beherbergen eine unbekannte, riesige Anzahl von Organismen, die sich mit Giften verteidigen oder sie zum Beuteerwerb einsetzen. Doch was ist überhaupt ein Gift und was macht es aus?

„Wenn ihr jedes Gift wollt recht auslegen, was ist, das nit Gift ist? Alle Ding sind Gift und nichts ohn Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist“, so der Schweizer Arzt und Naturforscher Paracelsus (*1493, †1541) in seinen „Septem Defensiones“, der Selbstverteidigung eines Außenseiters (lat. = sieben Verteidigungsreden) aus dem Jahr 1538. Klassisches Beispiel in der Meerwasseraquaristik für die Richtigkeit dieser Aussage ist Kupfer, das als Spurenelement wichtige Aufgaben z. B. in der Fotosynthese oder auch als Bestandteil von Redoxenzymen hat. Die mittlere Konzentration von Kupfer im Meerwasser beträgt ca. 0,5 µg/l. Aber bereits ab 4 µg/l reagiert z. B. die Buschkoralle (Pocillopora damicornis) mit deutlich verringertem Wachstum. Allein diese beiden Werte verdeutlichen, wie eng die Grenze zwischen Giftigkeit und Nicht-Giftigkeit ist (BROCKMANN 2010).

Was sind Gifttiere?
Gifte sind in der Natur weit verbreitet. Hier dienen sie als Beuteerwerbs- oder Verteidigungsstrategien. Klassisch wird in aktiv giftige und passiv giftige Tiere unterschieden (MEBS 2010). Aktiv giftige Arten produzieren ihre Gifte in speziellen Geweben oder Organen und injizieren diese mithilfe spezieller Strukturen in ihre Opfer, zur Verteidigung gegen Fressfeinde und für den Beuteerwerb. Zudem haben sie häufig noch weitere Aufgaben und sind z. B. an der Verdauung der Beute beteiligt. Drachenköpfe und Rotfeuerfische (Familie Scorpaenidae) sind aus der Meerwasseraquaristik bekannte Beispiele für aktiv giftige Fische.

Passiv giftige Tiere haben keinen speziellen Giftapparat. Sie nehmen das Gift bzw. Vorstufen davon entweder aus der Umgebung oder mit der Nahrung auf und speichern es dann in ihrem Gewebe. Hier kann es als Schutz gegen Fressfeinde dienen. Klassisches Beispiel ist das Tetrodotoxin, das eines der wirksamsten marinen Toxine ist und zunächst aus Kugelfischen (Familie Tetraodontidae) isoliert wurde, sich aber auch in zahlreichen anderen Meeresbewohnern nachweisen lässt.

Den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 154