Leierfische zählen in der Meeresaquaristik zu den besonders beliebten Aquariengästen. Sie eignen sich für Korallenriffbecken, bleiben klein und sind meist bunt gefärbt. Mehr als 130 Arten aus 18 Gattungen sind bekannt. Mit ihren individuellen Farbmustern und dem ungewöhnlichen Schwimmverhalten begeistern sie nahezu jeden Meerwasseraquarianer.

Die Arten der Gattung Synchiropus sind aquaristisch sehr beliebt, doch daneben existiert innerhalb der Familie Callionymidae eine Fülle weiterer faszinierender Arten. Durch meine Nachzuchterfolge mit Leierfischen im Jahr 2008 rückte diese Familie in den Mittelpunkt meiner Forschungsarbeiten, und ich konnte viel über ihre Fortpflanzung und die Larvenentwicklung lernen. Bei vier aquaristisch beliebten Arten gelang mir die Nachzucht: Mandarinfisch (S. splendidus), Paletten-Leierfisch oder LSD-Fisch (S. picturatus), Ocellen-Leierfisch (S. ocellatus) und Sternen-Leierfisch (S. stellatus). Hinzu kamen einige aquaristische Exoten wie Callionymus bairdi oder Chalinops pauciradiatus.



Bei der Nachzucht entdeckte ich einige Auffälligkeiten in Körperbau und Entwicklung der Larven, die innerhalb der Familie gleich zu sein scheinen, sich aber von anderen Korallenfischgruppen deutlich unterscheiden. Allerdings fand ich auch zwischen erwachsenen Exemplaren Unterschiede, und ebenfalls zwischen nahe verwandten Arten von Leierfischen. Sogar innerhalb bestimmter Arten zeigten sich feine Abweichungen zwischen geografischen Varianten, etwa bei Synchiropus stellatus aus Sumatra und Sri Lanka oder bei S. ocellatus aus Indonesien und von den Philippinen. Das warf viele neue Fragen auf, und so versuchte ich, möglichst viele Leierfischarten nachzuziehen, um Antworten zu finden. Insbesondere die Larvenentwicklung dieser eigentümlichen Familie faszinierte mich, und ich versuchte, sie besser zu verstehen, damit auch die Vermehrung im größeren Maßstab möglich wird.

Mein persönlicher Favorit ist S. stellatus, vor allem, weil an ihm die große Variationsbreite innerhalb der Familie deutlich wird. Zum ersten Mal gelang mir seine Nachzucht im Jahr 2008. Zunächst erwartete ich, dass seine Fortpflanzung und Larvenentwicklung jener des Mandarinfischs (S. stellatus) weitgehend ähneln würden. Ich erwarb zwei Paare und setzte sie in jeweils ein Artenbecken. Bald balzten sie regelmäßig, und ich begann mit Versuchen, die Larven aufzuziehen. Überraschenderweise unterschieden sich ihre Larven jedoch weitggehend von jenen anderer Leierfischarten, und meine ersten Aufzuchtergebnisse waren schlicht katastrophal. Von sieben Laichabgaben konnte ich insgesamt lediglich 13 Larven ins Juvenilstadium bringen. Vier Jahre später habe ich nun endlich Erfolge zu vermelden und weiß inzwischen auch, wie meine anfänglichen Fehlschäge zustande kamen.

Eine neue Herangehensweise
Wie andere Leierfische zeigt auch S. stellatus ausgeprägten Sexualdimorphismus, Männchen und Weibchen lassen sich also leicht voneinander unterscheiden. Dies erleichtert die Paarbildung im Aquarium erheblich. Männchen sind in der Regel größer und weisen eine längere erste Rückenflosse auf, die sie sowohl zur Balz als auch zum Imponieren gegenüber anderen Männchen einsetzten.

Eine der Schwierigkeiten bei der Nachzucht von Korallenfischen liegt darin, das kontinuierliche Erzeugen befruchteter Eier zu sichern. Vor allem, wenn man sich der Herausforderung stellt, Neuland zu betreten und auf Versuch und Irrtum angewiesen ist, hilft es enorm, wenn man täglich mit hochwertigen Eiern versorgt wird, um nach Schwierigkeiten und Fehlschlägen neu zu beginnen. Zwar kann ein großes S.-stellatus-Weibchen bis zu 2.000 Eier produzieren, doch von einem Weibchen durchschnittlicher Größe erhält man lediglich 300–600. Zu Beginn bekam ich allerdings nicht mehr als 100–200 Eier, und das bestenfalls alle drei Tage. Um mit meinen Experimenten weiterzukommen, musste ich also zunächst die Eiproduktion optimieren. Dies gelang mir bei meiner Arbeit im Tropical Aquaculture Laboratory (TAL) der University of Florida’s in Ruskin, Florida (USA). Die Lösung lag darin, dass ich mich von der vorherigen Paarhaltung verabschiedete und versuchte, mehrere Paare in einem entsprechend großen Becken gemeinsam zu pflegen. Ebenso wie S. ocellatus lebt auch S. stellatus in einer komplexen Sozialstruktur, in der auch die Fortpflanzung sozial gesteuert wird. Die besten Erfolge erzielte ich mit zwei bis vier Männchen und bis zu zwölf Weibchen, die ich in einer rund 550 l fassenden, ovalen Wanne unterbrachte. Unter solchen Pflegebedingungen erhielt ich jeden Abend bis zu 5.500 Eier, was enorm viel ist, wenn man es mit den paar Hundert Eiern vergleicht, die ich bei isolierter Paarhaltung noch nicht einmal täglich ernten konnte.

Ei-Stränge
Wie bei Leierfischen üblich, beginnt die Balz auch bei S. stellatus in den frühen Abendstunden mit dem Einbrechen der Dämmerung, im Aquarium ausgelöst durch das stufenweise Abschalten der Beleuchtung. Das Männchen stellt seine lange erste Rückenflosse steil auf und setzt die großen Brustflossen ein, um das Weibchen am Bodensubstrat anzuheben und nach oben zu drängen. Es folgt ein gemeinsamer Aufstieg, der allerdings nicht immer zur Abgabe von Geschlechtsprodukten führt. Je jünger und je weniger erfahren die Exemplare sind, umso häufiger sind Fehlversuche. Ketten pelagischer Eier werden in das Freiwasser abgegeben. In kleinen und flachen Aquarien erreichen die Fische dabei meist die Wasseroberfläche, doch in Großbecken findet das Ablaichen in Tiefen von 90–150 cm statt.

Diese Ei-Stränge sind recht robust und steigen nach oben. Zwar zerfallen sie bisweilen in Teilstücke, doch oft bleiben sie den größten Teil der Larvenentwicklung hindurch intakt. Das macht das Gewinnen der Eier sehr einfach, denn man braucht sie nur vorsichtig an der Wasseroberfläche einzusammeln. Allerdings hat dieses Aneinanderhaften auch Nachteile, denn verderbende Eier verlieren den Auftrieb und können die intakten in die Tiefe ziehen, was einen Sauerstoffmangel erzeugt, der für die Larven tödlich ist.

Um Ei-Stränge zu erhalten, schalte ich die Filterung ab, bevor die Beleuchtung verdunkelt wird. An der Wasseroberfläche treibende Ei-Stränge werden vorsichtig mit einem Behälter aufgenommen, der in das Wasser eingetaucht wird. Die Eier werden in das Larvenbecken mit frisch angemischtem Meerwasser eingebracht, doch zunächst kann man sie zum Beobachten der erfolgreichen Larvenentwicklung in ein PVC-Sieb mit Gazeboden geben.

Nahrung für winzige Larven
Der Schlupf vollzieht sich bei 26 °C schon nach etwa 16 Stunden, was bedeutet, dass die Larven winzig und nur rudimentär entwickelt sind. Ihre Körperlänge liegt nur knapp über einem Millimeter. Unter einem Mikroskop erkennt man gelbliche Xanthophoren, doch Mund und Augen fehlen ebenso wie viele andere körperliche Merkmale, die sonst für eine Korallenfischlarve typisch sind. Während der kommenden Tage ernähren sie sich vom Dottersack, und während dieser Phase schreitet die Entwicklung erkennbar voran. Sie bilden Augen und Mundöffnung aus, und am dritten Tag nach dem Schlupf beginnen sie, Nahrung aufzunehmen. Dies ist der Punkt, an dem die ersten großen Schwierigkeiten einsetzen.

Bis zu dieser Phase ist die Aufzucht recht einfach, was mithin zu einem stark überbesetzten Becken führt, in dem sich unzählige heranwachsende Larven tummeln. Im Gegensatz zu Mandarinfischlarven (S. splendidus), die in diesem Stadium bereits Copepodenlarven bewältigen, benötigt der Nachwuchs von S. stellatus kleinere Beute. In diesem Stadium kam es in meinen Larvenbecken während der folgenden fünf Tage zur deutlichen Ausdünnung des Besatzes. Magenuntersuchungen der Larven unter dem Mikroskop brachten Ciliaten, Dinoflagellaten, Molluskenlarven und einige weitere tierische Plankter zutage. Sie stammten aus dem gemischten, naturentnommenen Plankton, mit dem wir Korallenfischlarven oft füttern.

Am zweiten oder dritten Tage nach dem Beginn der Fütterung allerdings sind die Larven dazu in der Lage, Copepodenlarven zu fressen. Bis zu diesem Zeitpunkt reicht die kritische Phase, die wir als Nadelöhr bezeichnen, weil sie nur mit passenden, besonders kleinen Nahrungstieren zu bewältigen ist. Sie ist kurz, aber in ihrer Wirkung dramatisch. Während dieser drei Tage hatten wir z. B. recht ermutigende Ergebnisse mit einer kleinen Rädertierchenart von Tampa Bay in Florida: Colurella adriatica. Sobald die    überlebenden Leierfischlarven dann dazu in der Lage waren, gezüchtete Copepoden wie Pseudodiaptomus oder Parvocalanus zu fressen, sank die die Mortalität rapide, und die weitere Aufzucht der verbliebenen Larven war nicht schwieriger als beim Mandarinfisch. Ab dem 12. Tag können anstelle der Copepoden schließlich auch Artemianauplien gereicht werden.

Klein, aber schnell
Derzeit experimentieren wir noch, um mit besserer Ernährung die problematischen Tage nach der ersten Nahrungsaufnahme zu überwinden und einen größeren Prozentsatz der Larven über diese Zeit zu bringen. Trotz der anfangs hohen Verluste ist es sehr sinnvoll, diese Art nachzuziehen. Wie bereits erwähnt, hilft die Gruppenhaltung dabei, die Eiproduktion zu vervielfachen. Geht man von einer 20prozentigen Überlebensrate der Larven aus, kann man durchaus so viele Eier in ein Aufzuchtbecken einbringen, dass man letztlich ca. 500 Jungfische pro 100 l Wasser erhält.

Die Metamorphose vollzieht sich schnell, und zwischen dem 18. und dem 21. Tag gehen die meisten der Larven als Jungfisch zur benthischen Lebensweise über, bei einer Körperlänge von kaum mehr als 4 mm. Nach der Metamorphose setzt rascheres Wachstum ein als bei den meisten anderen Leierfischen, und die marktübliche Mindestgröße von 50 mm wird mit vier bis sechs Monaten erreicht. Die Gewöhnung an künstliche Futtermittel ist leicht, sobald die Fischchen rund zwei Monate alt sind, und dies sollte unbedingt geschehen, wenn man die Fische für den Aquaristikmarkt ziehen möchte.

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Herzlichen Dank an meinen Kollegen Eric Cassiano vom Tropical Aquaculture Laboratory (TAL) der University of Florida, der mich mit seinen Fachkenntnissen in der Lebendfuttertierzucht unterstützte.
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Dr. Matthew L. Wittenrich