von Mareen Möller und Samuel Nietzer

Eine Korallenlarve ist nicht ein einfaches Gewebekügelchen, sondern ein komplexer Organismus, der seine Umwelt wahrnehmen und auf sie reagieren kann. Die Erforschung der Larvenansiedlung bringt spannende Details ans Licht.

Viele Wirbellose verbringen einen Teil ihres Lebens als Larve, aber auch manche Wirbeltiere wie beispielsweise Fische durchlaufen Larvenstadien. Insbesondere unter den marinen Fischen finden sich Larvenstadien, die von ihren Eltern unterschiedlicher nicht sein könnten. Viele Fischarten der Korallenriffe verbringen ihr Larvenstadium im offenen Ozean, wo sie sich von Plankton ernähren. Die winzige Größe zum Zeitpunkt des Schlupfes sowie die oftmals sehr speziellen Ernährungsbedürfnisse machen die Nachzucht vieler Rifffische zu einer enormen Herausforderung, die allerdings mehr und mehr Aquarianer und Forscher erfolgreich meistern (vgl. Baensch 2017, Morissey & Hinrichs 2017, Szczebak 2017).

Zu einem bestimmten Zeitpunkt findet eine radikale Verwandlung der Larve statt, die Metamorphose. Nach dieser Umwandlung sind die Jungtiere vieler Arten ihren Eltern sowohl in Aussehen als auch Lebensweise sehr ähnlich. Dies kann graduell vonstatten gehen und die Erscheinung der Larven über mehrere Schritte hinweg zu einem Abbild ihrer Eltern machen. In diesem Fall spricht man von einer „kontinuierlichen Metamorphose“. Bekannter ist hingegen die „katastrophale Metamorphose“, bei der die Umwandlung während eines einzigen drastischen Entwicklungsschrittes stattfindet.

Das wohl bekannteste Beispiel für eine katastrophale Metamorphose im Tierreich dürfte die Umwandlung einer Schmetterlingsraupe in einen Schmetterling sein. Für einen großen Teil aller mehrzelligen Tiere ist das Larvenstadium ein essentieller Teil ihres Lebenszyklus: Die Aufteilung des Lebens in mehrere, oftmals räumlich oder anderweitig voneinander getrennte Phasen eröffnet eine Vielzahl an Vorteilen. Ernähren sich die Nachkommen auf eine völlig andere Weise als ihre Eltern, ist eine innerartliche Nahrungskonkurrenz praktisch ausgeschlossen. Hinzu komme ein großer Nutzen bei der Verbreitung: Insbesondere im Ozean bietet die Vermehrung durch freischwimmende Larven einen deutlichen Vorteil (...)

Den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 105